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Die
Stadt Shanghai wird ausreichend mit Wasser versorgt. Für die fast
17 Mio. Einwohner Shanghais werden jeden Tag 10 Mio. m3 Wasser hergestellt.
Doch von diesen 10 Mio. m3 Wasser kommt längst nicht alles beim Verbraucher
an. Täglich gehen 50.000 Tonnen Wasser alleine durch undichte und
kaputte Wasserleitungen "verloren". Das Wasser versickert im
Boden.
Die
Qualität des Trinkwassers ist mit der üblichen Güteskale
nicht mehr messbar, denn 69 % des Wassers ist schlechter als auf der fünfstufigen
Skala darstellbar.
Warum ist das Wasser so schlecht?
Das Wasser ist Oberflächenwasser. Es kommt aus dem Yangtze oder dem
Taihu See. Es ist nicht durch lange Bodenschichten gewandert und dabei
gereinigt worden. Die schlechten, defekten Rohre haben ebenso Anteil an
dem ungesunden Wasser. An Bruchstellen der Rohre dringen Abwässer,
Öle etc. in die Wasserrohre und verunreinigen somit das Trinkwasser.
Auch wird wenig Rücksicht auf die Trinkwasser-Reserven des Sees genommen:
8.000 Fabriken im Bereich des Sees leiten jährlich 1 Milliarde Tonnen
ungeklärter Abwässer in den See und 800.000 t Abwässer
aus Haushalten belasten täglich das Gleichgewicht des Sees. Da ist
es nicht abwegig, dass beispielsweise im Juni 2001 ein massives Algenblühen
zum "Umkippen" des Sees führen kann. Als Gegenmaßnahme
werden zwar 1,5 Mio. kleine Silberkarpfen in den See gesetzt, die sich
an den Algen satt fressen sollen, doch letztlich hilft nur ein Abstellen
der Ursache: Bau von Kläranlagen etc.
Wasser
ist übrigens ausreichend vorhanden in Shanghai. Daher kommt niemand
auf die Idee, Wasser zu sparen. Der Wasserverbrauch liegt höher als
in Japan oder Europa!
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Frankfurter
Rundschau v. 1.12.2001
Lukrative Geschäfte
mit dem "blauen Gold"
Die Versorgung der
explodierenden Weltbevölkerung mit Trinkwasser wird zu einer sprudelnden
Gewinnquelle / Kritiker lehnen die Privatisierung eines öffentlichen
Gutes ab
Von Lucian Haas
Rund 1,2 Milliarden
Menschen weltweit haben keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Bis 2025 könnte die Zahl laut UN-Prognosen auf drei Milliarden anschwellen.
Jeweils doppelt so viele müssen ohne geregelte Entsorgung ihrer Abwässer
auskommen. Da der Ausbau entsprechender Netze riesige Investitionen erfordert
und den meisten betroffenen Ländern das nötige Geld fehlt, sollen
verstärkt private Kapitalgeber einspringen. Unternehmen wie der Essener
Energieriese RWE wittern das große Geschäft. Denn aus der lebensnotwendigen
Ressource lassen sich erhebliche Gewinne schlagen. Auch mit diesem höchst
umstrittenen Thema beschäftigt sich die am Montag beginnende Internationale
Süßwasserkonferenz in Bonn.
Zum Jahrtausendwechsel verkündeten die Vereinten Nationen ein ehrgeiziges
Ziel: Bis 2015, so heißt es in der Millenniums-Erklärung der
UN, soll der Anteil der Weltbevölkerung, der keinen Zugang zu sauberem
Wasser hat, halbiert werden.
Leichter gesagt als getan. Denn um dieses Programm umzusetzen, müssten
bis dahin rund 1,6 Milliarden Menschen an die Versorgung angeschlossen
werden. Dabei ist Trinkwasser schon heute in vielen Regionen der Welt
knapp. Ausgetrocknete Brunnen, verschmutzte Quellen, sinkende Grundwasserspiegel,
marode Leitungen und ineffiziente Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft
sind Ausdruck eines allzu sorglosen Umgangs mit der lebenswichtigen Ressource.
Zu den technischen Schwierigkeiten gesellen sich finanzielle. 600 Milliarden
Dollar müssten in den nächsten zehn Jahren investiert werden,
um die Wasserversorgung und -entsorgung allein in den Entwicklungsländern
sicherzustellen, schätzt die Weltbank. Doch "viele Staaten haben
nicht das Geld", weiß Uschi Eid, Staatssekretärin im Bonner
Entwicklungsministerium.
Die Lösung dieses Problems sehen viele in der Privatisierung. Schon
heute hat eine Reihe von Metropolen ihre Wasserversorgung gewinnorientierten
Unternehmen überlassen; darunter Millionenstädte wie Manila,
Shanghai, Karachi, Singapur, Santiago de Chile und Buenos Aires. Solche
Beispiele machen Schule. Jeden Monat veröffentlicht die britische
Fachzeitschrift Global Water Intelligence die neuesten Angebote und zeigt
auf, wo auf der Welt die Trink- und Abwasserversorgung an Privatfirmen
verkauft oder für Jahrzehnte abgetreten wird.
Hinter solchen Offerten winkt ein riesiges Geschäft. Branchenexperten
schätzen, dass sich der Umsatz privater Wasserkonzerne bis 2010 weltweit
auf über 430 Milliarden Euro mehr als vervierfachen wird. Drei große
Unternehmen dominieren den Markt. An der Spitze stehen die französische
Suez mit der Tochter Ondeo (früher: Lyonnaise de Eaux) und Vivendi
Environnement. Beide zählen weltweit jeweils mehr als 100 Millionen
Menschen zu ihren Kunden.
Dahinter folgt schon der Essener RWE-Konzern. Vor einem Jahr schwang sich
der Energieriese durch die Übernahme von Thames Water für 14
Milliarden Mark mit einem Schlag zum Schwergewicht in der Branche auf.
Die britische Tochter versorgt mehr als 43 Millionen Menschen in Ländern
wie Großbritannien, USA, Chile, Türkei, Australien, Ägypten,
Thailand und Singapur. Jüngst unterstrich RWE mit der Ankündigung,
die US-Gesellschaft American Water Works für knapp zehn Milliarden
Mark übernehmen zu wollen, seine Expansionspläne.
Schon heute ist Wasser die profitabelste Sparte von RWE. Nach den jüngst
vorgelegten Quartalszahlen trug sie zwar nur vier Prozent zum Umsatz bei,
aus ihr floss aber ein Viertel des gesamten Gewinns. Auch andere deutsche
Unternehmen versuchen erfolgreich, ins Geschäft mit dem kostbaren
Nass zu kommen. Gelsenwasser, eine Tochter von Eon, ist seit einem Jahr
in Ungarn und neuerdings in Kosovo engagiert. Im Augenblick verdichten
sich die Spekulationen, dass der Düsseldorfer Multi nach der französischen
Gruppe Saur greift.
Einen Blitzstart legte auch die Firma Aquamundo hin: Erst im vergangenen
Jahr von den Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsbetrieben (MVV), dem
Technologiekonzern ABB und dem Bau-Unternehmen Bilfinger + Berger gegründet,
betreibt sie bereits Trink- und Abwasseranlagen in Peru, Bolivien, Mazedonien
und Montenegro. Derzeit bewirbt sich Aquamundo um eine Konzession für
zwei Regionen mit zusammen eine Million Einwohner in Chile. "Unser
Investitions- und Beratungsangebot können wir auf einen schier unerschöpflichen
Markt ausrichten", sagt Michaela Gerdes, die für internationale
Wasserprojekte der MVV zuständig ist.
Schier unerschöpflich erscheinen vor allem die Gewinnquellen. Denn
die Wasserversorgung ist ein natürliches Monopol. Pro Stadt oder
Region kommt nur ein Versorger in Frage, mehrere Leitungsnetze machen
ökologisch und ökonomisch keinen Sinn. Die Abwesenheit von Konkurrenz
steigert aber die Profite.
Chancen bieten sich den Unternehmen besonders dann, wenn sie in vorhandene
Systeme einsteigen und kostengünstig etwa so modernisieren können,
dass die Rohre weniger Wasser verlieren. "Unsere Einnahmen hängen
in vielen Fällen nicht direkt vom Verbrauch ab. Uns geht es mehr
um Produktivitätsgewinne, um ökonomische und technologische
Optimierung", sagt Cyril Roger-Lacan, Europachef des Giganten Vivendi.
Das große Geschäft mit dem "blauen Gold" fasziniert
auch die Finanzmärkte. So lancierte die Schweizer Privatbank Pictet
Anfang vergangenen Jahres den weltweit ersten Branchenfonds. Er investiert
das Geld seiner Anleger in mehr als 40 Wasserfirmen. Mittlerweile zogen
der US-Anbieter Avalon Trust und die Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft
SAM Sustainable Asset Management zusammen mit dem eidgenössischen
Finanzinstitut Julius Bär nach.
Der Erfolg erscheint angesichts des weltweit steigenden Bedarfes garantiert,
die Verlustgefahr gering. "Unser Hauptrisiko besteht darin, dass
die Politik die Privatisierung nicht unterstützt", heißt
es in einem Prospekt von Pictet.
Diese Sorge ist begründet. Denn an der Frage, ob die Ressource von
einigen wenigen Kapitalgebern als Profitpool genutzt werden darf oder
nicht vielmehr als öffentliches Gut allen Menschen gehört, entzündet
sich weltweit eine heftige Kontroverse. "Das fundamentale Recht auf
den Zugang zu Wasser darf nicht von Privatfirmen wahrgenommen werden,
die einzig ökonomische Interessen verfolgen", sagt der italienische
Wirtschaftsprofessor Riccardo Petrella, Autor des Manifestes "Wasser
für alle". Viele Kritiker der Globalisierung melden sich in
ähnlicher Weise zu Wort und fordern, Wasser als Menschenrecht und
nicht als Handelsware zu betrachten.
Welche Konflikte entstehen können, wenn private Firmen das Sagen
haben, zeigt das Beispiel der bolivianischen Stadt Cochabamba. Dort hatte
die Regierung dem internationalen Konsortium Aguas del Tunari den Ausbau
der Versorgung anvertraut. Dieser war allerdings mit einer Preiserhöhung
um 20 Prozent verbunden. Weil das Wasser damit für viele Einwohner
von Cochabamba nicht mehr erschwinglich war, gab es im April vergangenen
Jahres heftige Demonstrationen, bei denen sechs Menschen getötet
wurden. Schließlich verzichtete das Konsortium auf den Auftrag.
Die Preiserhöhung wurde hinfällig, der Ausbau der Wasserversorgung
ebenso.
Wie die Armen in den Entwicklungsländern zu erträglichen Kosten
mit Wasser versorgt werden können, ist eines der schwierigsten entwicklungspolitischen
Themen. Auch bei der Internationalen Süßwasserkonferenz (siehe:
Zur Sache) werden sie die Debatten prägen. Was darf das Wasser kosten,
damit die Menschen es sich leisten können? Was muss es wiederum kosten,
damit sich Geldgeber finden, die in die Infrastruktur investieren? Auf
derartige Fragen müssen dringend Antworten gefunden werden. Denn
jährlich sterben fünf Millionen Menschen, die Mehrzahl davon
Kinder, als Folge mangelhafter Versorgung. 80 Prozent der Krankheitsfälle
in den Entwicklungsländern werden auf verseuchtes Wasser zurückgeführt.
Vor allem, wenn es gilt, ein Versorgungssystem völlig neu aufzubauen,
schrecken auch private Unternehmen vor den immensen Kosten zurück.
Die wuchernden Slums von Megastädten in den Entwicklungsländern
an das öffentliche Wassernetz anzuschließen, gleicht einer
Sisyphusaufgabe. Neue Finanzierungsmodelle sind gefragt, bei denen Staat,
internationale Organisationen wie die Weltbank und private Firmen ihre
Fähigkeiten zusammenlegen. Public-Private-Partnership (PPP) heißt
das Zauberwort.
Kritiker sehen darin vor allem eine Subventionierung der Privatwirtschaft,
weil der Bau der Versorgungsanlagen mit Entwicklungshilfegeldern öffentlich
finanziert, die anschließend beim Betrieb möglichen Gewinne
hingegen privat kassiert werden. Dem halten die Befürworter entgegen,
dass sich nur auf diese Weise derartige Projekte zum Wohle der dürstenden
Menschen realisieren lassen. "Wir haben keine Alternative dazu, eine
Anschubfinanzierung so auszulegen, dass ein Projekt für private Unternehmen
gerade finanzierbar wird", sagt Marion Kneesch von der Kreditanstalt
für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt. Die staatliche Entwicklungsbank
unterstützt beispielsweise in elf Städten Albaniens solche PPP-Modelle
mit 175 Millionen Mark.
Kneesch sieht in der Förderung des privatwirtschaftlichen Engagements
eine Hilfe gerade für die arme Bevölkerung: "Ohne öffentliche
Versorgung zahlen Arme häufig viel höhere Preise, weil sie das
dringend benötigte Wasser von privaten Händlern in Flaschen
kaufen müssen."
Auch davon können übrigens große Konzerne profitieren,
wie das Beispiel Nestlé zeigt. 1997 erkannten die Strategen des
Schweizer Lebensmittel-Multis Trinkwasser als lukrativen Zukunftsmarkt.
Sie beauftragten die Tochtergesellschaft Perrier Vittel, eine Produktlinie
zu entwickeln, die überall auf der Welt Quellen mit annehmbarer Qualität
ausbeutet, indem sie das Nass reinigt, Mineralsalze zusetzt und es dann
in preisgünstigen Gebinden anbietet. 1998 führte Nestlé
ein auf diese Weise aufbereitetes Wasser unter der Marke Pure Life in
Pakistan ein und zählte ein Jahr später bereits 15 000 Verkaufsstellen.
Mittlerweile gibt es das Nestlé-Trinkwasser auf den Märkten
vieler Entwicklungs- und Schwellenländer zu kaufen.
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