Schulen in Shanghai
Shanghai mit über 17 Mio. Einwohnern hat viele tausend Schulen. Als Beispiel soll im Folgenden die Partnerschule der Deutschen Schule Shanghai vorgestellt werden.Diese Schule ist ganz typisch für die Situation des Schulwesens in Shanghai, allerdings gehört sie zu den besser ausgestatteten Schulen der Stadt - aber dies ist in Deutschland auch zu finden. Dort gibt es auch Schulen, die lieber vorgezeigt werden als andere.
Text zeigen (pdf-Datei)

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2002, Nr. 225 / Seite 7

Chopin in China

In keinem anderen Land gibt es so viele klavierspielende Kinder und so ehrgeizige Eltern / Von Petra Kolonko
PEKING, im September. He Qizhen, das jüngste chinesische Klavierwunder, ist ein hübsches, aufgewecktes Mädchen mit einer ehrgeizigen Mutter. Mit fünf Jahren hat das Kind aus der südchinesischen Wirtschaftssonderzone Shenzhen mit dem Klavierspielen begonnen, mit acht Jahren wurde He Qizhen in die Kunstschule von Shenzhen aufgenommen, mit neun Jahren erspielte sie im nationalen Steinway-Klavierwettbewerb den ersten Preis in ihrer Altersgruppe. He Qizhens Erfolg ist der Traum Hunderttausender chinesischer Eltern. Wahrscheinlich nirgendwo in der Welt gibt es so viele klavierspielende Kinder wie in China, und wie kaum in einem anderen Land entwickeln Eltern, die selbst nie eine Musikerziehung genossen haben oder sogar ganz unmusikalisch sind, so viel Ehrgeiz, aus ihren Kindern kleine Pianisten zu machen. Klavierwettbewerbe sind beliebt, Klavierlehrer werden gesucht und gut bezahlt.
Ausländische Beobachter sind beeindruckt von der Zahl der Talente und dem Können der chinesischen Jugendlichen. Als "unglaublich hoch" bezeichnete der in Hannover lehrende Professor Arie Vardi nach dem Wettbewerb in Peking das Niveau des Vortrags. Wohl jeder der Teilnehmer hätte in einem anderen Land den ersten Preis gewonnen. Das Land der 1,3 Milliarden Menschen bringt viele Talente hervor, und der Wettbewerb um Schul- und Studienplätze zwingt sie, hart zu arbeiten. Schon hat Chinas "Klavier-Mode" neue Talente hervorgebracht, die sich auch international behaupten. Li Yundi und Chen Sa erzielten einen chinesischen Triumph, als sie beim Chopin-Wettbewerb in Warschau im Jahr 2000 den ersten und den vierten Platz belegten. Jetzt studieren beide in Hannover bei Arie Vardi und kommen nur gelegentlich in ihre Heimat, um Konzerte zu geben. Li Yundi durfte dieses Jahr zum ersten Mal in der Großen Halle des Volkes spielen.
Seitdem es in den chinesischen Städten einen bescheidenen Wohlstand und eine wachsende Mittelschicht gibt, ist das Klavier sowohl zum Statussymbol als auch zum Hoffnungsinstrument für viele Familien geworden. Klavierspielen gilt in China als förderlich für die Entwicklung der Intelligenz. Wer es bis ganz nach oben schafft, kann sogar Ruhm und Einkünfte für die Familie sichern. Auch die chinesische Ein-Kind-Politik begünstigt die Klaviereuphorie. Die Eltern setzen all ihre Hoffnung und ihren Ehrgeiz in das eine Kind, und darum darf zur perfekten Ausbildung auch der Klavierunterricht nicht fehlen. Mütter und Väter achten streng darauf, daß das tägliche Pensum an Übungen absolviert wird. Sie begleiten ihr Kind auf dem Weg durch Wettbewerbe und verzichten selbst auf einiges, um sich ein Klavier und Unterricht für das Kind leisten zu können.
Der Preis für ein chinesisches Klavier beträgt etwa 10 000 Yuan (1250 Euro) und damit mehrere Monatsgehälter, ist aber nicht mehr unerschwinglich. Selbst teurere importierte Klaviere werden gekauft. "In China wächst der Markt für Klaviere, während er überall sonst stagniert", sagt Yan Shi von dem deutsch-amerikanischen Unternehmen Steinway. Auch für Steinway-Flügel, die immerhin 500 000 Yuan kosten, gebe es in China Abnehmer. Waren es bislang nur Konservatorien und Schulen, die sich die prestigeträchtigen Instrumente kauften, so gibt es jetzt auch schon den einen oder anderen chinesischen Privatkunden, der für sein Kind einen Flügel kauft.
Die Begeisterung für das Klavier geht einher mit einem wachsenden Interesse an westlicher klassischer Musik. Dabei trifft es sich gut, daß Parteichef und Staatspräsident Jiang Zemin klassische Musik schätzt. Der für die Erziehung zuständige stellvertretende Ministerpräsident Li Lanqing ist ebenfalls ein Förderer der klassischen Musik. Das gibt den Musikschulen Auftrieb. In Peking und Schanghai werden regelmäßig klassische Konzerte gegeben und Musikfestivals ausgerichtet. Als bestes Musikpublikum gelten mittlerweile die Einwohner des lange Zeit als "kulturelle Wüste" geschmähten Südens des Landes. Die Förderung der klassischen Musik von höchster Stelle bewirkt auch, daß überall im Land, nicht mehr nur in Peking und Schanghai, Konzerthallen gebaut werden. Der größte Musiktempel entsteht derzeit allerdings in der chinesischen Hauptstadt. Das monumentale "Nationale Theater", das hinter dem Platz des Himmlischen Friedens gebaut wird, soll gleich vier Konzerthallen haben.
Vielen geht die Klaviermanie längst zu weit. Der übertriebene Ehrgeiz und die Strenge mancher Eltern haben schon zu Familientragödien und Protesten geführt. Kinder, die von ihren Eltern zu vielen Übungsstunden und zum Verzicht auf alle Freizeit gezwungen wurden, hören als Jugendliche auf, Klavier zu spielen, und wollen es nie wieder anrühren. Doch diejenigen, die es schaffen, werden begeistert gefeiert, wie die kleine He Qizhen. Nun muß sie nur noch durchhalten.

Allgäuer Zeitung vom 16.03.2002

Positive Signale aus der Volksrepublik
Sonderkurse am Gymnasium: Gute Chancen für Kooperation
Von Dirk Ambrosch

Marktoberdorf Die Vertreterin des Kulturministeriums der Provinz Shanghai, Dr. Yihong Mao, sieht gute Chancen für die Einrichtung von Sonderkursen am Marktoberdorfer Gymnasium für chinesische Eliteschüler. Während eines Treffens mit Schulleiter Dr. Lorenz Deuringer sagte Mao, in China stehe man der Kooperation "sehr positiv" gegenüber. Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier will sich bei ihrer bevorstehenden China-Reise für das Projekt einsetzen.
Während ihres eintägigen Besuchs im Ostallgäu, ließ sich die Vertreterin des Kulturministeriums der Provinz Shanghai, Dr. Yihong Mao, von Oberstudiendirektor Dr. Lorenz Deuringer über das Gymnasium und Marktoberdorf informieren. Mao zeigte sich von Schule und Stadt beeindruckt. Zur geplanten Kooperation mit dem hiesigen Gymnasium sagte Mao: "Ich sehe keine Probleme. Die Kooperation müsste reibungslos klappen." Als Termin für die Einführung der Sonderkurse hält Mao das Jahr 2003 für realistisch. Das Projekt sieht vor, chinesische Eliteschüler mit guten Deutschkenntnissen in zweijährigen Kursen zu Fachhochschulreife oder Abitur zu führen. Mao forderte die Unterstützung des bayerischen Kultusministeriums, um mögliche Hürden beim Zustandekommen der Zusammenarbeit aus dem Weg zu räumen.
"Ein phantastisches Projekt"
Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier hatte allerdings bereits vor knapp zwei Wochen signalisiert, dass sie die Kooperation unterstützen werde. Hohlmeier sprach damals von einem "ganz phantastischen Projekt". Dies sei der richtige Weg, "die Zusammenarbeit zwischen Bayern und China zu forcieren". Hohlmeier reist im April nach China, unter anderem in die Provinz Shanghai. Am Marktoberdorfer Gymnasium rechnet man damit, dass während des Hohlmeier Besuchs ein Rahmenabkommen zwischen dem Freistaat und dem Kulturministerium der Provinz Shanghai abgeschlossen wird. Sollte die Zusammenarbeit zustande kommen, wird Dr. Mao für die chinesische Seite das Projekt leiten; sie hat in Deutschland studiert, promoviert und arbeitet in Berlin, wo sie das Kulturministerium der Provinz Shanghai vertritt.
Seit der Öffnung Chinas und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung, gebe es in China die Strömung, Schüler für mehrere Jahre ins Ausland zu schicken, sagte Mao. Bildung werde zudem als eine Art Ware angesehen, die sich einkaufen lasse. Europäische Länder wie etwa England, aber auch die USA würden deswegen eigene Bildungsmessen veranstalten, auf denen Schul- oder Studienplätze vermittelt würden. "Im Vergleich zu diesen Ländern hinkt Deutschland einen Schritt hinterher", sagte Mao. Dabei würden deutsche Kultur, Technik und Produkte in China hohes Ansehen genießen. "Deutschland wird dort mehr geschätzt als alle anderen Länder." Die Sonderkurse für chinesische Schüler könnten helfen, die Beziehungen zwischen China und Deutschland zu stärken. "Die Schüler die zurückkommen, können zur Entwicklung Chinas beitragen. Denn sie haben deutsche Kultur und die Grundlagen der Demokratie selbst erfahren", sagte Mao.