![]() |
Wie Nian besiegt wurdeDas Chinesische Neujahrsfest fällt im Jahr 2005 auf den 9. Februar. Es beginnt das Jahr des Hahnes. Das Neujahrsfest ist für die Chinesen vergleichbar bedeutend unserem Weihnachtsfest. Alle Familienmitglieder treffen sich und sitzen beim Essen zusammen. |
![]() |
![]() |
||
| Zum
Neujahrsfest gehört die Legende über Nian, einem bösen Seeungeheuer mit
Fühlern. Zu Neujahrs-Abends kam es gewöhnlich an Land um Menschen und Tiere
zu verschlingen. Daher flohen die Menschen Neujahrs-Abends vor Nian in die
Berge. Eines Neujahrs-Abends kam ein alter bärtiger Mann in den Ort. Er fragte nach etwas Essen und einen Schlafplatz. Doch die Menschen waren im Aufbruch, sie mussten sich vor Nian in Sicherheit bringen. Daher bemerkten sie den alten Mann nicht. Nur eine alte Frau beobachte ihn:"Steige in die Berge, bevor Nian dich verschlingt!" Statt einer Antwort grinste er nur. "Wenn du mich in deinem Haus übernachten lässt, verspreche ich Nian zu verjagen", sagte dann der bärtige Mann. Während die alte Frau in die Berge floh, blieb der Neuankömmling in ihrem Haus. |
||
![]() |
||
| Pünktlich
um Mitternacht erschien Nian und merkte gleich, dass in einem Haus etwas
ungewöhnlich war: An der Tür hing ein Stück chinesisches rotes Papier
und drinnen flackerte eine Flamme. Nian zitterte am ganzen Körper und schrie fürchterlich. Dann stürzte er auf das Haus zu. Da waren plötzlich laute Böller aus dem Haus zu hören. Während Nian noch mehr Angst bekam und sich nicht mehr weiter zum Haus wagte, öffnete sich die Tür. Mit einem chinesischen roten Kostum stand der alte Bärtige in der Tür und lachte ihn aus. Das war nun für Nian zu viel. Er flüchtete vor Rot, Feuer und Böllern. Von da an wussten die Dorfbewohner, wie sie Nian vertreiben können und fortan ist es Tradition zu Neujahrs-Abend rote Kleidung zu tragen, Böller knallen zu lassen und zum Beispiel rote Schmuck-Ballone an die Haustür zu hängen. |
||
| Neujahrs-Dekoration in der Altstadt | ![]() |
|
| Pressespiegel | ||
| Mittwoch,
09. Februar 2005 / Berliner Zeitung
Scharf ist der Schnabel des Gockels Otto Mann PEKING, 8. Februar. Kein Geburtstag, kein Börsensturz und erst recht kein Parteitag bewegt China so wie das traditionelle Frühjahrs- oder Neujahrsfest. Und Bewegung ist landesweit angesagt zum wichtigsten Tag des Jahres, der diesmal auf den 9. Februar fällt. Wer irgendwie weg kann, macht sich in seinen Heimatort auf zu den Verwandten, wo vor allem gegessen, getrunken und wieder gegessen wird - nicht umsonst heißt es, dass die meisten Chinesen zu den Feiertagen alles aus der Hand fallen lassen bis auf die Stäbchen. Mehr als zwei Milliarden Reisen werden zum wichtigsten chinesischen Feiertag angetreten, den man sich vorzustellen hat wie Weihnachten, Silvester, Ostern und Jahrmarkt zusammen. Wie stets um diese Zeit sind die Szenen auf Bahnhöfen und Flugplätzen chaotisch, wenn sie etwa allein in Peking mehr als 350 000 Reisende täglich zu verkraften haben. Die meisten Reisenden strömen schon Stunden vorher zu den Bahnhöfen, weil sie Angst haben, vor lauter Menschenmassen nicht in ihren Zug zu kommen. Wenn sie denn überhaupt eine Fahrkarte ergattert haben, denn das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ist 1:4. Da zahlt jeder gern die saisongemäßen Aufpreise von 20 Prozent, und wenn es sein muss, sogar die Tickets von den Schwarzhändlern, deren verbotenes Geschäft jetzt blüht wie nie im Jahr. Bislang legal dagegen ist dieses Jahr eine neue Einnahmequelle. Müssen heimreisende Junggesellen nicht jedes Mal Rede und Antwort im Dorf stehen, warum sie immer noch keine Frau gefunden haben? Die Marktwirtschaft mit sozialistischen Kennzeichen hilft weiter. Schon im Januar eröffnete in Liuzhou, Provinz Guangxi, die erste Agentur für Brauthostessen. Für umgerechnet 30 Euro plus Spesen täglich kann man sich eine falsche Braut leihen und daheim stolz vorführen. So gefragt ist dieser Service, dass sich inzwischen viele Nachahmer gefunden haben. Dabei haben am Ende des auslaufenden Jahres des Affen viel mehr Paare geheiratet als sonst. Allein in Shanghai gaben sich im Januar 8 000 Paare das Jawort, viermal so viel wie üblich um diese Zeit. Der Grund: Weil das Neujahrsfest in diesem Jahr spät gefeiert wird, fiel Lichun - der Frühjahrsanfang - noch ins alte Jahr. Das Jahr des Hahns gilt darum nach altem Aberglauben als Witwenjahr, und wer will da schon heiraten! Ansonsten verspricht das Hahnenjahr gemischte Aussichten. Wer im Zeichen des Gockels geboren ist, gilt als romantisch, zupackend und kräftig. Allerdings ist der Hahnenschnabel schärfer geschliffen als die Fressorgane der übrigen elf Vertreter des chinesischen Tierkreises, und das bringt Streitlust und Konflikte mit sich. Hongkongs Wahrsager sehen wenig optimistisch in die Zukunft. Im Hahnenjahr werden manche alten chinesischen Politiker sterben, wird die Religion internationale Krisen auslösen und Asien von neuen Naturkatastrophen heimgesucht werden, weil sich die Elemente Holz und Erde im Widerstreit befinden, prophezeien sie. Die feiernden Massen beunruhigt das allerdings nur wenig, denn die Festwoche gehört der Familie und dem Schlemmen. Ganz oben auf dem Speiseplan: Gedämpfte Jiaozi, also die schmackhaften mit Fleisch und Gemüse gefüllten Teigtaschen, sowie Rind, Schwein und alles aus dem Wasser - in jeder Form und bestens gewürzt. Auch Millionen Hähnen wird es an den Kragen gehen, denn selbst ihre sauer eingelegten Füße gelten als Delikatesse. Von der Vogelgrippe ist im Moment nichts zu hören. Im Affenjahr ist alles möglich 200 Millionen chinesische Wanderarbeiter reisen dieser Tage in ihr Heimatdorf. Um Neujahr mit der Familie zu feiern, um zu schenken und zu böllern AUS PEKING GEORG BLUME Kein Chinese will mehr abergläubisch sein, aber so viel weiß jeder: In Drachenjahren finden große Ereignisse statt (Mao starb 1976), in Ziegenjahre fallen Unglücke (1991 der erste, 2003 der zweite Golfkrieg). Und in Affenjahren ist alles möglich: 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und 1968 die Studentenrevolte im Westen. Allerdings sind revolutionäre Prophezeiungen zum neuen Jahr des Mondkalenders in China derzeit weder gefragt noch erlaubt. Weil der Affe als agil, schlau und flexibel gilt, schwärmt man lieber vom "Jahr des Geldes". Im Allgemeinen freuen sich die Chinesen auf das heute beginnende Jahr des Affen, weil sie dem Jahr der Ziege - bzw. des Schafs - misstrauen. Man bedaurt deshalb die chinesischen Mütter, die gestern noch ihr Kind als Ziege zur Welt bringen mussten, statt es heute als Affe zu gebären. Tatsächlich ist die Wahrsagerei rund um die zwölf Tierkreiszeichen der chinesischen Astrologie eine der wenigen Traditionen, die den seit fünfzig Jahren anhaltenden Angriff der Kommunisten auf Rituale des wichtigsten chinesischen Festes überlebt haben. Wer weiß heute schon noch, dass man am 23. Dezember des Mondjahres die Hausgeister zum Himmel jagen muss - um ihnen am Neujahrsmorgen wieder Fenster und Tür zur Heimkehr zu öffnen? "Von der alten Tradition des Neujahrsfestes ist nur das Treffen der Familie am Silvesterabend übrig", trauert der Pekinger Schriftsteller Xu Xing seiner von Geistergeschichten der Großeltern belebten Jugend nach. Dennoch brach Xu am Dienstag eine Lesereise durch Frankreich ab, um pünktlich zum Neujahrsfest bei seinen achtzigjährigen Eltern in Peking zu sein. "Guonian huijia" - nach Hause gehen - wird das Fest heute auch genannt. Was bleibt, sagt Xu, sei eine Art "Verwandtschaftsgefühl". Ansonsten ähnele das chinesische Neujahr immer mehr dem westlichen Weihnachten mit Geschenketerror und TV-Langeweile. Zumal auch die traditionelle Böllerei in Großstädten wie Peking seit zwanzig Jahren verboten sei. Stadt und Land, Reich und Arm fallen so auch am Jahresbeginn auseinander. In Peking und Schanghai herrscht in der Neujahrsnacht christliche Ruhe, draußen auf den Dörfern aber donnert es wie in einem Infanteriekrieg. Ihn zu erleben, zieht es jedes Jahr hunderte von Millionen in die Heimatdörfer zurück. Das ist das Wunder, das China jedes Jahr erlebt: 137 Millionen Zugtickets und 1,717 Milliarden Busfahrkarten sollten in diesen Tagen verkauft werden. So viele Menschen wie nie zuvor in der Weltgeschichte sind in China zu jedem Neujahrsfest unterwegs. Und jedes Jahr wird der Reiserekord aufs neue gebrochen. Wer es nicht nach Hause schafft, ist betrübt. "Die Firma meines Mannes hat dichtgemacht, ohne die Löhne der letzten sechs Monate auszuzahlen. Jetzt müssen wir in Peking bleiben, um einen Prozess zu führen", klagt die Putzfrau Xiao Zhou aus der Provinz Anhui am Jangtse. Zu gern wäre Xiao, die das Jahr über zwölf Stunden täglich arbeitet, zu ihren Eltern nach Anhui gefahren. Doch wer aus Peking in die arme Provinz kommt, muss Geldgeschenke für die Familie mitbringen, sonst enttäuscht er alle. Ohne den Lohn des Mannes war die Heimkehr deshalb unmöglich. Vielen geht es so wie Xiao: Weil sich bis zu 200 Millionen Wanderarbeiter ohne Wohnberechtigung und Arbeitsvertrag in der Großstadt verdingen, passiert es häufig, dass Firmen Löhne einsparen, indem sie kurzfristig den Bankrott erklären, um sich nach dem Neujahrsfest wieder neu zu gründen. Über drei Milliarden Euro ausstehende Löhne von Wanderarbeitern beklagten die Behörden vor einem Monat. Zu Wochenbeginn war es noch eine Milliarde Euro. Zugleich aber ist es ein positiver Schritt, dass in immer mehr Fällen die Löhne eingeklagt werden. Bereits im November schuf ein Pekinger Gericht einen Präzedenzfall, als es eine Baufirma zur Lohnnachzahlung an 500 Wanderarbeiter verurteilte. Sie bekamen ihr Geld noch rechtzeitig zum Neujahrsfest. Wofür die Arbeiter das Geld brauchen? Ihren Großeltern schenken die Chinesen am liebsten Naturheilmittel wie Ginseng, Verwandten Wein und Früchte, Kindern einen roten Umschlag mit Bargeld. Durchschnittlich 300 Euro kostet eine Stadtfamilie heute das Neujahrsfest - 200 Millionen Bauern müssen in China mit so viel Geld ein ganzes Jahr lang auskommen. taz Nr. 7264 vom 22.1.2004, Seite 5 (TAZ-Bericht), GEORG BLUME |
||
1. Februar 2003, 02:23, Neue Zürcher Zeitung Optimismus
prägt Chinas Neujahr Chinesen begrüßen das «Jahr des Pferdes»(dpa) Beständig
ist allein seine Unbeständigkeit, wird über das Pferd gesagt.
Am Dienstag, 12. Februar, beginnt für die Chinesen nach dem traditionellen
Mondkalender das neue Jahr. Das chinesische Neujahrsfest dauert zwei Wochen
und entspricht in seiner Wichtigkeit dem christlichen Weihnachtsfest.
Es steht im Zeichen des Pferdes, des siebten Tieres im chinesischen Tierkreis.
Das Jahr des Pferdes wird allgemein als gutes Jahr betrachtet. Doch kennzeichnete
es oft auch historische Wendepunkte: die Große Depression 1930 oder
den Beginn der Kulturrevolution 1966. Wahrsager rechnen politisch und
international mit Spannungen, aber gleichzeitig auch mit einer Verbesserung
der derzeit noch schwächelnden Weltwirtschaft. © 2002 Rhein-Main.Net |
||