Xiang Yang Markt
- China, der größte Produkt-Pirat der Welt

In Shanghai gibt es viele Märkte, auf denen Kleidung, Taschen und Geschenkartikel angeboten werden. Beliebt ist der Xiang Yang Fashion & Giftmarket, weil es hier besonders viele Markenartikel zu günstigen Preisen gibt. Markenartikel kosten nur den Bruchteil des Preises, wie er in Deutschland oder aber in den benachbarten Geschäften und Kaufhäusern an der Einkaufsstraße Huahai Lu üblich ist. Natürlich werden zunächst auf Frage höhere Preise genannt. Wenn man die Preise auf dem Markt etwas kennt, kann man dann sehr schnell die Preise herunterhandeln.

Warum ist dies so?
Zum einen werden die teuren Markenprodukte zu billigsten Bedingungen in Billiglohn-Ländern hergestellt, viele davon in China. Da fertigt die Vertragsfabrik für Jeans beispielsweise 1.000 Hosen mehr an als bestellt wurden und verkauft diese dann auf eigene Rechnung innerhalb Chinas und bekommt damit natürlich mehr Geld, als wenn sie die gleiche Hose ohne dieses Markenzeichen verkaufen würde.
Vielleicht sind aber auch Hosen vom Besteller nicht abgenommen worden, weil die Qualität nicht stimmte. Auch diese Ware wird auf Märkten innerhalb Chinas verkauft.
Und dann kann es natürlich auch vorkommen, dass Ware nicht ganz rechtmäßig auf dem Transport verloren gegangen ist .....

Mit Befestigung eines Markenzeichens wird die Ware plötzlich wundersam teuer. Alle beugen sich dem Marken-Diktat. Dies haben auch die Chinesen schnell gelernt. Also kopieren sie die Markenkleidung, befestigen nachgemachte Aufnäher daran und verkaufen diese Fälschung als Markenware.
Fälschungen kann man häufig an den nicht fachgerechten Ausführungen oder aber an fehlerhaften Aufnähern oder Schreibfehlern an Markenanhängern herausfinden. Manchmal passen auch die Aufnäher und Anhänger nicht logisch zusammen. Doch selbst für Fachleute ist es auf den ersten Blick nicht immer ganz einfach ein Original zu erkennen, denn es gibt auch Fälschungen, die so gut gemacht sind, dass sie kaum als solche erkannt werden. Der Preis für die Fälschung entspricht übrigens dem Wert der Ware, wenn man sie ohne das Markenzeichen kauft. Also ein teures Markenzeichen!

Die Ursache für diese Fälschungen müssen die Markenartikel-Vertreiber auch selber suchen. Zum einen lassen sie ihre Ware zu manchmal sogar unmenschlichen Bedingungen fernab ihrer Firmenstandorte herstellen und nehmen Kopien damit wissentlich in Kauf. Zum anderen lassen sie jedem durch ihre aufwendigen Werbemaßnahmen wissen, dass man nur mit einem Markenzeichen glücklich sein kann. Da wundert es nicht, wenn sich Menschen mittels Fälschungen der Marken-Tyrannei erwehren und sich ihr "Glück" billig erkaufen.
Fälschungen werden in der Fachsprache als fakes bezeichnet. Dies ist das englische Wort für Fälschung.

Die hohe Zahl von Markenpiraterie war übrigens eines der ernsten Hindernisse zum WTO-Beitritt Chinas.

Beliebt ist die Fälschung wertvoller Markenuhren: Rolex und Omega stehen da als teure Markenuhren hoch im Kurs. Tatsächlich befindet sich im Inneren der Uhr ein wenige Euro teures Uhrwerk. Oftmals ist der aufwendig hergestellte Schmuckkasten teurer als die darin befindliche gefälschte Uhr.
Auch Musik-CD´s und CD-ROM´s für Computer werden kopiert und billig verkauft. Neueste Musik-CD´s sind für 8-12 Yuan erhältlich und Software für den Computer, die in Deutschland mehr als 1.000€ kostet, kann für weniger als 10 Yuan erworben werden. Das Passwort ist selbstverständlich dabei.
Zwar kann man sich als Käufer sicher über Schnäppchen freuen, doch Raubkopien haben auch eine Kehrseite, denn die Firma, die beispielsweise die Software mit hohem Aufwand entwickelt hat oder aber die Künstler, die die Musik komponiert haben, werden um ihren Lohn betrogen.

Testticker v. 6.3.2005
Halber Windows-Preis bei Hinweisen auf Anbieter illegaler Windows-Kopien

Chinesen sind bei Amerikanern für das Abkupfern und Stehlen von Produkten verschrien, manche wollen deswegen ihre Produkte nicht auf den schnellstwachsenden Markt der Welt bringen. Microsoft versucht es nun mit Preishalbierung für "Singvögel".

04.03.2005 - Wenn man schon selbst nichts eindämmen kann, so will man zumindest die potentiellen Kunden in den Kampf gegen Raubkopien einbinden: Chinesische Windows-Nutzer sollen Microsoft helfen, Kopien ausfindig zu machen. Als Belohnung gibt es 50 Prozent Preisnachlass auf das Original, berichtete gestern die Tageszeitung 'Shanghai Daily'.

Doch selbst bei solchen Aktionen ist der US-Software-Riese vorsichtig, damit keine Industrie aus dem Kopieren und Verpfeifen wird. Man will dieses Angebot erst einmal nur zwei Monate aufrecht erhalten.

Interessierte User müssen sich per Web-Formular anmelden und erhalten dann Gutscheine für den vergünstigten Kauf des Originals von Windows XP Home (95 Dollar ) oder Professional (153 Dollar). Die herkömmlichen Preise liegen bei 199 Dollar (XP Home) und 299 Dollar (XP Professional).

MS will mit der Aktion vor allem die Raubritter unter den PC-Herstellern finden, nicht die Privatkopierer. (mk)


Spiegel online v. 22.4.04
GEFÄLSCHTE SÄUGLINGSNAHRUNG
Babys sterben an "Große-Kopf-Krankheit"

Von Andreas Lorenz, Peking

China ist das Land der Fälscher. Von Automarken bis zum Waschmittel, von Gucci-Taschen bis zur DVD - es gibt kaum eine Ware, die Ganoven nicht billig nachgemacht auf den Markt werfen. Nun hat diese Praxis zu einer unglaublichen Tragödie geführt: Etliche Babys verhungerten, weil sie mit wertlosem Milchpulver ernährt wurden.

In der Provinz Anhui, einer der ärmsten Regionen Chinas, starben nach einem Bericht der Pekinger Jugendzeitung 13 Säuglinge. Das KP-Organ "Volkszeitung" sprach auf seiner Webseite gar von "mehr als 50" Opfern. Die Todesursache: Sie verhungerten. Die Babys waren mit gefälschtem minderwertigen Milchpulver gefüttert worden, in dem sich so gut wie keine Proteine und Mineralien befanden.

Das tödliche Pulver wurde vor allem in der Umgebung der Stadt Fuyang verkauft, in der rund neun Millionen Menschen leben. Die Stadt ist der Ausgangspunkt vieler Wanderarbeiter, die sich kurz nach der Geburt ihres Kindes auf Jobsuche machen. Oft bleiben die Babys bei den Großeltern zurück, die sie mit billigem Milchpulver ernähren.

Seit 20 Jahren, als in der Region noch bittere Armut herrschte, hätten sie keine so unterernährten Säuglinge gesehen, erklärten Ärzte. Manche Kinder seien leichter als bei der Geburt gewesen, heißt es. Die Anwohner haben dem Leiden einen treffenden Namen gegeben. Sie nennen es "die Große-Kopf-Krankheit", weil der Kopf der Säuglinge im Verhältnis zum verschrumpelten Körper überproportional groß ist. Das Gesicht der Babys wird mit Wasser aufgeschwemmt.

Mehr als 100 Kinder, zwischen drei Monaten und einem Jahr alt, liegen noch im Krankenhaus. Das vorläufig letzte Opfer, ein drei Monate altes Mädchen, wurde vor zwei Tagen ins Volkskrankenhaus von Fuyang eingeliefert.

Der Skandal hat jetzt auch Premierminister Wen Jiabao alarmiert, der eine umfassende Untersuchung versprach und den Herstellern des Milchpulvers strenge Strafen ankündigte. Die Funktionäre haben zwei kleine Betriebe in Peking in Verdacht, das Pulver hergestellt zu haben. "In ländlichen Gebieten werden die meisten schlechten und gefälschten Waren verbreitet, sagte Xia Jiechang, Professor der Akademie für Sozialwissenschaften, der englischsprachigen Zeitung "China Daily". "Die Kontrolle ist lax, es mangelt an Informationen." Wenn Produkte nicht die Qualitätskontrollen passierten, borgen sich Hersteller einfach Zertifikate und Warenzeichen von größeren Betrieben aus, offenbarte ein Angestellter einer Lebensmittelfabrik der "Neuen Peking Zeitung".

Die Behörden beschlagnahmten in den vergangenen Tagen auf den Märkten Tausende von Paketen. 33 Marken wurden inzwischen verboten. Doch ob damit weitere Fälle ausgeschlossen werden, ist ungewiss. Ein Funktionär in Fuyang sagte: "Wir können nicht alle 100 Marken auf dem Markt überwachen, weil wir nicht genug Geld haben." Gestern nun wurden fünf Großhändler in Anhui verhaftet.


Westfahlen-Post vom 28.03.2003  

Vorsicht bei falschem Luxus

Berlin. (ap) "Lolex?", fragt der Chinese in der Verkaufsbude in Schanghai, in der es eigentlich folkloristische Souvenirs gibt: Stempel mit chinesischen Tierkreiszeichen, kunstvoll bedruckte Tücher und Schachteln jeder Art, Drachenmasken und so weiter.
"Omega?", fragt der Mann weiter. Blickt der Tourist auch nur halbwegs interessiert, kramt der Verkäufer aus der Jackentasche eine funkelnde Uhr in einer billigen Plastiktüte. Es ist eine Omega-Fälschung. Im Original ist die Seamaster eine Automatik, hier in Schanghai ist sie mit einem Billig-Quarzwerk ausgestattet, was an dem sich ruckartig vorwärts bewegenden Sekundenzeiger zu erkennen ist.
Normalerweise lässt der Verkäufer den Kunden in einem abgegriffenen Katalog blättern. Findet sich darin die Wunschuhr des Interessenten, so lädt der Chinese ihn in sein Lager zur Begutachtung der Prachtexemplare ein. Lehnt der Kunde dies ab - und das ist aus Sicherheitsgründen zu empfehlen -, so holt der Verkäufer eine kleine Auswahl.
Der Tourist kann sich beispielsweise für eine Rolex Submariner entscheiden, eine solide, sportliche Herrenuhr aus Edelstahl. Ein echtes Stück dieser Gattung schlägt mit mehreren tausend Euro zu Buche, inklusive weltweiter Garantie, exzellenter Betreuung und Beratung sowie der Gewissheit, etwas für die Sicherheit der Arbeitsplätze der Schweizer Uhrenindustrie getan zu haben.
Und es wird mit großer Wahrscheinlichkeit bis ans Lebensende des Benutzers ohne Probleme und ziemlich genau die Zeit anzeigen.
Das alles ist bei der Fälschung nicht garantiert. Dafür ist der Preis anders. Der Verkäufer bietet "seine" Submariner für 780 Yüan (75 Euro) an.
Fachleute sagen, wenn man ein Drittel des zuerst genannten Preises erzielt, ist man nicht betrogen worden.
Der nächste Akt kann während der Rückreise beim Zoll kommen. Es ist erlaubt, die Uhr einzuführen. Aber nur bis zu einem Wert von 175 Euro bei Einreise per Flugzeug, sonst 125 Euro. Und es muss sicher gestellt sein, dass sie hier zu Lande nicht in den Warenwirtschaftskreislauf eingebracht wird.
Wie beweist man dem Beamten, dass die scheinbar so wertvolle Uhr spottbillig war? "Wenn überhaupt kein Hinweis auf eine Wertangabe vorliegt, wird der Wert der Waren geschätzt", sagt Roland Koller von der zuständigen Oberfinanzdirektion München.
Wer durch den Zoll gekommen ist, kann seine Uhr vom rechtlichen Standpunkt her problemlos am Arm tragen. Doch während des ganzen Produktionsprozesses ist vermutlich niemand für die Frage zuständig gewesen, ob die verwendeten Materialien - etwa das Leuchtmittel für die phosphoreszierenden Ziffern - gesundheitlich unbedenklich sind. Weitere Informationen unter www.zolld.de


Leonberger Zeitung vom 1.September 2002

Falscher Zauber im Land der Drachen

von JOHNNY ERLING, Peking

Ob er Band fünf von Harry Potter vorrätig hat? Der Verkäufer eines Buchladens am Ufer der Jangtse-Stadt Wuhan deutet auf den Berg der im Pekinger Verlag der Literatur des Volkes erschienenen ersten vier Bände. "Die anderen liegen darunter.''

Unten kommen weitere Bücher zum Vorschein. Viel versprechend lauten ihre Titel: "Harry Potter und der Leopardendrachen'', oder "Harry Potter und der Wasser abwehrende Zauberkristall'' oder "Harry Potter und die goldene Rüstung''. Von Joanne K. Rowling steht darauf. Die Verfasser dürften aber eher Wang oder Li heißen. Tief in der Provinz haben Plagiatoren sich in die Märchenwelt europäischer Zauberei versetzt und die Initiative an sich gerissen.
Während die Erfolgsautorin ihre Fans weltweit auf ihren fünften Band "Harry Potter und der Orden des Phoenix'' warten lässt, erhalten Jugendliche in China den Lesestoff am laufenden Band nachgereicht: "In Schanghai haben wir Band acht, Harry Potter und der große Trichter', entdeckt'', klagt Wang Ruiqing, Lektorin im Volksverlag. Dort hat man mit einem Hongkonger Anwalt als Vertreter von Rowling und ihrer Londoner Christopher Little Literatur-Agentur eine Aktionsgruppe gebildet, um den Ghostwritern das Handwerk zu legen.
Ärger und Aufregung sind groß. "Die Fälscher ziehen neue Bücher wie Zauberer aus dem Hut.'' Der Pekinger Verlag agiert hilflos. Das im vergangenen Jahr novellierte Copyright-Schutzgesetz "reicht uns aus, um gegen die illegalen Druckerzeugnisse vorzugehen. Wir haben aber Probleme, es umzusetzen'', gesteht Zhen Min, Leiter der Abteilung Rechte und Lizenzen.
Fälscher, die sich auf Musik-Discs, Spielfilme und Buch-Bestseller spezialisieren, haben in China Hochkonjunktur. Sie arbeiten mafiaartig, blitzschnell, mit modernsten Kopierstudios, Produktionsbetrieben und Druckereien. Sie sind mit Milliardenumsätzen über Grossistenmärkte landesweit organisiert und vor allem spottbillig. In Peking konnten nur zwei Tage, nachdem der Film "Harry Potter'' weltweit anlief, die ersten Raub-Video-CD für einen Euro gekauft werden. Eine Woche später gab es für nur ein paar Cent mehr perfekte DVD-Fälschungen. Auch der Pekinger Volksliteraturverlag, der 1999 nach Bietergefechten sich die Rechte für Rowlings Romane mit 60 000 Euro erkaufte - die höchste von einem chinesischen Verlag jemals gebotene Lizenzsumme für ein Buch - wurde Opfer von Raubkopien.
Kein Wunder bei dem Supergeschäft: Bis Mitte 2002 konnten die Abenteuer Harry Potters, die von einem Team der vier besten Kinderbuchübersetzer des Landes übertragen wurden, bereits in einer Auflage von fünf Millionen Büchern erscheinen. Der Schaden ist immens, materiell wie ideell.
"Wir kriegen Anrufe und enttäuschte Kinderbriefe. Die fragen, was mit ihrem Helden Hali Bote (Name für Harry Potter in China) passiert ist. Seine angeblich neuen Abenteuer seien so schlecht'', sagt Zhen Min. In Band fünf ("Der Leopardendrache'') verlässt Potter nach fünf Jahren die Zauberschule. Der Drache Baozoulong verwandelt aus Rache mit Hilfe eines süßsauren Regens Harry und seine Freunde in Zwerge. Harry besiegt ihn.
In Band sechs und sieben entschlüpfen Harry und seine Freunde durch eine Fata Morgana in einer Wüste in ein geheimnisvolles Land. Sie besiegen einen Dämon, der sich in eine goldene Rüstung verwandelt, die Harry unverwundbar macht. Der Zauberer erwirbt sich zudem eine Kristallkugel, mit der er unter Wasser atmen kann. Damit kann er seine Freundin Hermine aus den Klauen eines Monsters befreien, das in einem Zaubersee lebt. Diese drei Euro teuren, 200 Seiten starken Bücher seien Plagiate, so Zhen Min. "Sie verstoßen gegen Verlags- und Autorenrechte.''
Die Fälscher, die für ihre Schnellschüsse Passagen aus Tolkiens "Herrn der Ringe'' abgeschrieben haben und alle Freunde Potters auftauchen lassen, scheinen sich über ihre Verfolger lustig zu machen. In der "Zauberkristall'' kommt es zum anspielungsreichen Dialog, der das Machwerk als platte Fälschung entlarvt:
Harrys Freundin trifft einen Unhold, der sie zu sich geholt hat: "Hermine Granger. Hörst du mich?'' Sie fragte ihn: "Woher weißt du meinen Namen? Wieso bin ich hier? Wer bist du?'' Wieder lachte der Unhold. "Ich heiße Harry Potter!'' Hermine war empört: "Du lügst. Wie kannst du auch Harry Potter heißen?'' Doch der Unhold weiter: "Namen sind Schall und Rauch. Ich nenne mich, wie es mir passt. Was kannst du tun, um mich daran zu hindern?''


WELT AM SONNTAG, Dienstag, 23. April 2002 

Oscar-Verleiher helfen Chinas Produktpiraten
Viele internationale Filme sind in China schon kurz nach ihrer Premiere als Raubkopien erhältlich

Schanghai - Während Hollywoods Filmstudios über die Flut von Raubkopien aus China klagen, scheinen Chinas Produktpiraten gute Kontakte zum berühmtesten Entscheidungsgremium der Filmbranche zu pflegen. Wenige Wochen nach der 74. Oscar-Verleihung in Hollywood sind in Schanghai Raubkopien von Videokassetten auf dem Markt, die den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences offenbar als Anschauungsmaterial für ihre Oscar-Wahl gedient haben.
So ist für umgerechnet gut 1,5 Euro eine DVD des mit vier Oscars ausgezeichneten Films "A Beautiful Mind" erhältlich, auf der mehrmals per Untertitel der Hinweis eingeblendet ist: "Diese Anschauungskassette wird nur für die Betrachtung durch die Academy zur Verfügung gestellt und ist weder für den Verkauf noch für eine öffentliche Vorführung vorgesehen."
Viele internationale Filme sind in China schon kurz nach ihrer Premiere als Raubkopien erhältlich. Die ersten Versionen sind meistens direkt von einer Kinoleinwand abgefilmt. Spätere Auflagen nutzen Videokassetten der Filmstudios, die nur für interne Vorführungen gedacht sind. "A Beautiful Mind", das Porträt eines unter Schizophrenie leidenden Mathematikgenies, wird auf der DVD-Hülle übrigens als ein Action-Film angepriesen, "der den Adrenalinspiegel steigen lässt". Und tatsächlich, gibt es da nicht eine Autoverfolgungsjagd... dpa

© manager-magazin.de 2001, 11.12.2001

Milliardenschwere Fälscherindustrie
- Mit dem neuen Mitglied tritt am Dienstag der weltgrößte Produktpirat in die WTO ein.

Wer in China einen Computer anmacht, fährt mit mehr als 90-prozentiger Sicherheit illegal kopierte Software hoch. Auch sonst bilden Raubkopien und Plagiate urheberrechtlich geschützter Waren die Basis für ganze Teile der Volkswirtschaft. Eine milliardenschwere Fälscherindustrie bietet Millionen von Menschen Lohn und Brot, ganze Städte leben von der Produktpiraterie.
Mit der Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO am Dienstag wird die Luft für Fälscher dünner - wenn es auch noch Jahre dauern dürfte, bis die Regierung in Peking wirklich entschlossen gegen den größten Volkssport der Volksrepublik vorgeht.

Gefälscht wird alles von Rang und Namen.

Durch illegale Kopien aus China entstand Schätzungen von Experten zufolge allein der Software-Industrie im vergangenen Jahr ein Schaden von 1,12 Milliarden Dollar, ein drastischer Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 645 Millionen Dollar.
Der viel zitierte Software-Klau stellt dabei nur einen Bruchteil der Produkte dar: Gefälscht wird alles, was Rang und Namen hat. Die Palette reicht von Hollywood-Filmen, DVDs und Videokassetten über CDs, Luxuswaren, Kosmetika, Zigaretten, Alkohol bis zum Shampoo und Auto-Bremspedalen. In manchen Fällen sind selbst heimische Firmen betroffen - etwa die Zigarettenmarke "Rote Pagode" und der Haushaltsgerätehersteller Quingdaio Haier.

Konzerne drohen mit Investitionsstopp

Ausländische Konzerne drohen der Regierung in Peking seit Jahren damit, weitere Investitionen in China zurückzuhalten, wenn den Produktpiraten nicht das Handwerk gelegt wird. Das Massenphänomen hemmt nicht zuletzt auch chinesische Firmen, eigenständige Produkte zu entwickeln.
Experte Peter Humphrey von PriceWaterhouse Coopers fürchtet indes, Chinas WTO-Beitritt werde nicht viel ändern."Fälschen ist tief verwurzelt in der chinesischen Kultur, und die Jobs vieler Menschen hängen daran." Alle Bemühungen blieben erfolglos, solange Polizei und Justiz nicht dahinter stünden: "Man kann den Kampf gegen das Fälschen nicht gewinnen, ohne gleichzeitig die Korruption zur Strecke zu bringen."
In den vergangenen Monaten zeigte sich die Regierung immerhin gewillt, eine härtere Gangart einzulegen. Die Anstrengungen, Fälscher zu fassen und auch mit Haftstrafen zu belegen, hätten zugenommen, sagt Urheberrechts-Experte Humphrey. Erst vor zwei Monaten wurde das Markenrecht verschärft. Wie weit der Weg noch ist, zeigte indes eine Initiative Pekings: In wenigstens einem Bereich soll nun weniger illegale Software eingesetzt werden - den Regierungsbehörden.