| 24.
November 2004, 08:31, NZZ
Online Grundstein
für höchsten Wolkenkratzer der Welt gelegt Nach einer
siebenjährigen Verzögerung ist in Shanghai der
Grundstein für einen Wolkenkratzer gelegt worden, der mit einer
Höhe von 492 Meter das höchste Gebäude der Welt werden
soll. Die Arbeiten am Turm begannen bereits 1998, wurden aber wegen der
Asien erschütternden Finanzkrise unterbrochen.
(ap) Die japanische Baugesellschaft Mori hat Verträge mit zwei örtlichen
Bauunternehmen über 3,9 Milliarden Yuan (385 Millionen Euro) abgeschlossen.
Die Gesamtkosten für das «Shanghai World Financial Center» werden
auf umgerechnet 839 Millionen Euro geschätzt. Das Gebäude soll
Ende 2007 fertig sein. Es wird das derzeit als höchsten Wolkenkratzer
der Welt geltende Hochhaus «Taipei 101 in Taiwan nur dann an Höher übertreffen,
wenn man dessen Turmspitze nicht mitzählt: Ohne Spitze ist das taiwanische
Gebäude 455, mit 508 Meter hoch.
Wolkenkratzer
Sog des Vertikalen
Von
Nicola Kuhrt in Spiegel online v. 09.11.2004 Die neuen
Könige der Skyline kennen keine Grenzen mehr: In Asien
und Amerika entstehen die höchsten Gebäude der Welt. Die Düsseldorfer
Ausstellung "Der Traum vom Turm" beleuchtet erstmals die Geschichte
der Wolkenkratzer - zwischen Mythos, Baukunst und Größenwahn. "Der
Gedanke, einmal in seiner Größe gefasst, kann
nicht mehr verschwinden. Solange es Menschen gibt, wird auch der starke
Wunsch da sein, den Turm zu Ende zu bauen." (Franz Kafka, "Stadtwappen",
1920)
Sein Rumpf umfasst einen ganzen Straßenblock. Wie ein gigantisches
Bambusrohr ragt der "Taipei 101" mit einer Rekordhöhe
von 508 Metern in den Himmel von Taiwan. Der Gigant ist zurzeit das höchste
Gebäude der Welt und eines der wahnwitzigsten Projekte der Architekturgeschichte.
Wo es steht, bebt ständig die Erde, mehrmals im Jahr muss es tropischen
Wirbelstürmen trotzen. Rund 1,5 Milliarden Euro hat der Turm gekostet.
Das meiste Geld floss in die Technologie, die den Super-Turm zum sichersten
Wolkenkratzer der Welt machen soll.
Mit
dem "Taipei 101" ist der Hochhausbau endgültig in
einer neuen Dimension des Größenwahns angekommen. Allerdings
ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser Wolkenkratzer an Höhe
und Innovationskraft überholt wird. Der Wettkampf um den weltweit
höchsten Turm scheint keine Grenzen zu kennen. Der "Freedom
Tower" in New York oder das "Burj Dubai" stehen bereits
in den Fundamenten, der "Turning Torso" (Malmö) wird mit
seiner Struktur einer DNS-Doppelhelix mindestens so viel Aufsehen erregen
wie einst Norman Fosters Gebäude für die Swiss Re in London,
das von der englischen Presse den Spitznamen "Erotic Gherkin" (erotische
Gewürzgurke) verpasst bekam. Türme, Hochhäuser und Wolkenkratzer sind mehr als nur hohe
Gebäude. Seit dem biblischen Turmbau zu Babel verkörpern die
den Wunsch des Menschen nach symbolischer und faktischer Herrschaft.
Die Türme werden benutzt, um Spiritualität, Macht, aber auch
technischen Fortschritt darzustellen. Das Hochhaus entspricht einem Traum,
der so alt ist wie die Welt: So hoch zu bauen, dass man die Wolken streift
und vielleicht auch das Überirdische berühren kann. Modelle
sprengen die Decke
Die
Ausstellung "Der Traum vom Turm" im Düsseldorfer
NRW-Forum erzählt erstmalig die ganze Geschichte der Wolkenkratzer.
Anhand von über 60 Modellen, alle im Maßstab 1:200, zeichnet
die Schau die Entwicklung der Türme nach - von Babel bis Peking,
von Chicago bis Taipeh. Während die Nachbauten der ersten hohen
Gebäude - etwa des Kölner Doms (157 Meter) - noch brav auf
ihren Podesten verweilen, sprengen andere Modelle, wie das des Millennium
Towers in Tokio (840 Meter, Fertigstellung 2009), beinahe die Höhe
der Ausstellungsräume.
Die
Geschichte der Wolkenkratzer ist eine komplexe Mischung aus Soziologie,
Technik- und Innovationsgeschichte, Bauästhetik und Ökonomie.
Die Düsseldorfer Schau erzählt aber auch von wichtigen Gefühlen:
Von der Faszination für die Höhe, von der Begeisterung für
die Leistung, für die immer kühneren Entwürfe der Architekten.
Immer ganz nah ist das Gefühl der Angst. Sie schleicht sich mit
in die Aufzüge, lässt den Magen zusammenkrampfen, wenn man
von weit oben in die Tiefe blickt. Und natürlich gibt es die Angst
vor dem Einsturz, vor der Katastrophe. Der Terrorangriff
vom 11. September 2001 machte diese Ängste wahr.
Die Zwillingstürme des World Trade Centers stürzten ein und
rissen Tausende Menschen in den Tod. Danach wurde die Bauart der Wolkenkratzer
neu überdacht, auch die Pläne für den "Taipei 101" wurden überarbeitet.
Heute sind alle Pfeiler mit feuerfestem Spezialschaum eingesprüht,
es gibt Evakuierungszonen. Zudem wird im Gebäude so viel Löschwasser
gespeichert, dass es mehrere Schwimmbecken füllen könnte. Doch nicht nur die
Geschichte lehrt neues Denken. Mit zunehmender Höhe
wächst auch der Respekt für die neuen Giganten der Städte.
Zu Füßen eines Hunderte Meter hohen Turms verliert sich das
Gefühl für die eigenen Grenzen. Die Höhe wird unfassbar,
der gesamte Bau scheint übermenschlich. So erklärt sich vielleicht
auch, warum Wolkenkratzer oft wie das Werk einer höheren Macht wirken. Der Fahrstuhl
schafft die Oberschicht
Dabei
ist die technologische Entwicklung, die hinter den heutigen Königen
der Skyline steht, ganz banal: Mit jeder neuen Erfindung und Innovation
kletterten die Bauwerke eine Etage höher. Etwa mit der Entdeckung
des Stahls als Baumaterial, erstmals eingesetzt durch Gustave Eiffel. Weniger auffällig, aber nicht weniger bedeutend: Die Erfindung
des elektrischen Fahrstuhls Ende des 19. Jahrhunderts. Ohne ihn wäre
die weitere Entwicklung des Bauens in der Vertikalen undenkbar gewesen,
er machte die oberen Stockwerke zur "Bel Etage" jeden Gebäudes.
Heute haben sich die Anforderungen ein wenig verlagert: Natürlich
besitzt der "Taipei 101" einen Aufzug - Doppeldecker-Kabinen
schnellen mit einer Geschwindigkeit von 1008 Metern in der Minute in
die Höhe. Die Kammern sind luftdicht und mit einem künstlich
konstant gehaltenen Innendruck ausgestattet, ansonsten würde den
Fahrgästen das Trommelfell platzen.
Immer war der Traum vom Turm auch mit der Vision einer Weltstadt ohne
Grenzen verbunden. So entstand in den dreißiger Jahren in Manhattan
ein ganzes Viertel von Wolkenkratzern, die untereinander um den Höhenrekord
konkurrieren. Das "Chrysler Building" (319 Meter) wurde 1930
fertig gestellt, schon ein Jahr später überholte es das "Empire
State Building". Mit seinen 381 Metern war es 41 Jahre lang das
höchste Gebäude der Welt. Filme wie "Metropolis" (1926) entstanden zu jener Zeit und
entwarfen Visionen, die sich tief in das Bewusstsein der Menschen einbrannten.
In seinem Meisterwerk erzählt Regisseur Fritz Lang die Geschichte
einer zum Moloch mutierten Riesenstadt. Der Film beeindruckt jedoch weniger
durch seine Handlung als durch seine Visualisierung der Hochhausschluchten.
Zwischen städtebaulicher Vision und großer Depression finden
die Wolkenkratzer ihren Platz in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung
der zwanziger und dreißiger Jahre. In
der Höhe
liegt die Kraft
Nach
dem Empire State Building herrschte der Sears Tower (442 Meter) in Chicago
20 Jahre lang an der Spitze der Super-Türme, überholt
wurde er erst 1996 durch die 452 Meter hohen Petronas Towers in Malaysia.
Am 15. April diesen Jahres ernannte der Council of Tall Buildings die
Türme zum höchsten Gebäude der Welt - und übergab
damit auch offiziell den Staffelstab an einen neuen Kontinent. Nicht
mehr in Europa und Nordamerika, sondern in Asien werden die ehrgeizigsten
Türme gebaut.
Besonders
das wirtschaftliche Boomland China scheint dem Sog nach Höhe
zu erliegen. In Peking entsteht derzeit mit den "CCTV Headquarters" ein
Gebäude, dessen Konstruktion radikaler kaum sein könnte. Zwei
Türme, die im oberen Drittel um 90 Grad abknicken, bilden eine Art
eckige Möbiusschleife. Das "Burj Dubai" in den Vereinigten
Arabischen Emiraten soll indes das höchste Gebäude werden,
das Menschen jemals errichtet haben. Seine Höhe steht noch nicht
fest. Trotz all dieser Anstrengungen, dürfte die nächste Ikone
der Wolkenkratzerkultur wieder in Amerika stehen: Die Symbolkraft und
die Ausstrahlung des "Freedom Towers", der auf dem Terrain
des World Trade Centers entsteht, wird so schnell nicht zu übertreffen
sein.
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Neue
Züricher Zeitung v. 10.4.03Check-in auf der
54. Etage - Das «Grand Hyatt» in Schanghai
In Schanghai,
Chinas Wirtschaftsmetropole, gehören Selbstbescheidung und Zurückhaltung
nicht zu den erstrebenswerten Tugenden. Nachdem die Stadt, die bis zur
japanischen Besetzung während des Zweiten Weltkriegs Ostasiens kosmopolitisches
Zentrum war, durch den Sieg der Kommunisten zu beinahe vier Jahrzehnten
Dornröschenschlaf verurteilt worden war, hat sie in den letzten fünfzehn
Jahren zu ihrer früheren Dynamik zurückgefunden. Pudong, das
gegenüber dem historischen Bund sich den Windungen des Flusses Huangpu
entlang erstreckt, war bis vor kurzem mehrheitlich Landwirtschaftszone
mit ein paar Docks und unansehnlichen Industrie- und Wohnbauten. Heute
besitzt es mit Hunderten von glitzernden Wolkenkratzern eine Skyline,
die mit Manhattan wetteifern kann. Wer in den Pionierzeiten der Öffnung
der chinesischen Wirtschaft nach Schanghai kam, fand das international
akzeptable Hotelangebot mit dem legendären «Peace Hotel»
erschöpft. Heute vergeht kaum ein Jahr ohne die Eröffnung neuer
glänzender Fünfsternhotels.
Asien hat eine Reihe von Hotels, in denen man mindestens einmal im Leben
logiert haben sollte, vom «Taj Mahal» in Bombay über
das «Raffles» in Singapur bis zum «Peninsula»
in Hongkong und «Grandhotel Manila» in der philippinischen
Kapitale. Mit deren kolonialem Ambiente kann es Schanghais «Grand
Hyatt», das vor vier Jahren in Pudong eröffnet wurde, nicht
aufnehmen, doch seine architektonischen Exklusivitäten wiegen dieses
Handicap bei weitem auf. Es beginnt schon beim Einchecken, einem Vorgang,
der üblicherweise nicht besonders memorabel zu sein pflegt. Man hat
der Website des Hotels entnommen, dass das Check-in auf der 54. Etage
erfolgt, doch nichts hat einen auf die Aussicht vorbereitet, die den Hotelgast,
kaum ist er dem superschnellen Lift entstiegen, empfängt. Hinter
einer riesigen Fensterfront erstreckt sich das endlose Häusermeer
Schanghais. Ein morgendlicher Dunst liegt über der Stadt und den
wie Perlen aneinander gereihten historischen Repräsentationsbauten
am Bund. Später, als man im Klub Jin Mao auf dem 86. Stock ein
exzellentes Schanghaier Mittagessen serviert bekommt, erscheint einem
der ehrwürdige Bund wie ein Miniaturgebilde.
Alles am Jin Mao Tower, so der Name des von Art-déco-Stilelementen
geprägten Wolkenkratzers, ist von beeindruckenden Ausmassen. Der
Turm, der auf den unteren 52 Stockwerken Büros beherbergt, ragt mit
seinen insgesamt 88 Etagen (in China ist die Ziffer 8 eine Glückszahl)
420 Meter in den Himmel. Der gesamte Komplex kostete 540 Millionen US-Dollar.
Da das Baugelände zum Flussdelta gehört und sich der Grundwasserspiegel
nur einen Meter unter dem Boden befindet, musste ein besonders aufwendiges
Fundament mit einer vier Meter dicken Betonplatte errichtet werden. Für
Sicherheit, die auch bei schlimmsten Taifunen und Erdbeben gewährleistet
werden soll, sorgen 1062 Stahlpfeiler, die bis zu 83,5 Meter tief in den
Boden reichen.
Wer auf Geschäfts- oder Ferienreise in Schanghai weilt, pflegt ein
knappes Zeitbudget zu haben. Beim «Grand Hyatt» sollte man
sich jedoch die Zeit nehmen, das Hotel mit all seinen Fazilitäten
ausgiebig zu geniessen. Schon beim Eingang im Erdgeschoss kann die Verwöhnung
beginnen, wo die Pralinés, die man in der Schokolade-Boutique in
origineller Schanghaier Verpackung kaufen kann, an die besten Adressen
in Europa erinnern. Man sollte darauf achten, ein Zimmer zu bekommen,
welches den Fluss und den Bund überblickt. Begeisternd ist, am Morgen
beim Frühstück im «Grand Café» die Stadt
erwachen zu sehen und am Abend von «Cloud 9», der Bar auf
der 87. Etage, oder von der Piano-Bar aus dem 53. Stock das
Panorama mit Schanghais unvergleichlichem Lichterglanz zu geniessen. Den
«Skypool» im Fitnesscenter sollte man sich auf keinen Fall
entgehen lassen. Nicht zu überbieten ist schliesslich das Ambiente
im Atrium, wo man sich bei Kammermusik zum Afternoon-Tea treffen und den
Blick nicht weniger als 31 Stockwerke hoch zur Kuppel des Towers schweifen
lassen kann.
Extremsportler
stirbt bei missglücktem Sprung von
Wolkenkratzer
34-jähriger Australier zog sich Schädelbruch
zu Bei einem
missglückten Fallschirmsprung von Chinas höchstem
Wolkenkratzer ist ein australischer Extremsportler ums Leben gekommen.
Weil sich die Leinen seines Fallschirms verwickelt hatten, prallte der
34-jährige Roland Simpson nach dem Sprung von dem 421 Meter hohen
Jinmao Tower in Shanghai auf dem Dach eines Nachbargebäudes auf
und zog sich einen Schädelbruch zu, teilte seine Familie am Samstag
in Canberra mit. Nach
dem Unglück sei er schwer verletzt nach Australien ausgeflogen
worden, wo er im Krankenhaus starb. Simpson war einer von 38 Extremspringern,
die sich bei einem internationalen Wettbewerb mit dem Fallschirm von
dem Gebäude stürzten.
tirol online
v. 2004-10-23
11:27:41
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