Romantische Kulisse:
Fotos im Park dürfen nicht fehlen.

 

Wie überall in der Welt ist auch in Shanghai die Hochzeit ein großes Familienereignis. Die Feier ist ein Konglomerat aus chinesischer und westlicher Tradition und wird zu 60% durch Hochzeits-Planer organisiert. Solche Firmen residieren in feinster Geschäftslage und sind hoch profitabel, schließlich finden in Shanghai ca. 100.000 Hochzeiten pro Jahr statt. Bei einer Zahl von 150 Gästen wird eine Summe von ca. 50.000-60.000 Yuan angesetzt, wobei noch oben keine Grenzen gesetzt sind.

Wie sieht nun solch eine Hochzeit aus?

Morgens muss der Bräutigam an die Tür seiner zukünftigen Frau - bereits geschminkt und angekleidet - klopfen. Dort versuchen die Angehörigen und Freunde der Braut mit allen findigen Tricks zu verhindern, dass er seine Zukünftige findet. Manchmal muss er sich einem Quizz stellen oder die Vergabe von hong bao - Geld in einem roten Umschlag - stimmt die Versammlung freundlich.
Nach dieser Bewährungsprobe für den Bräutigam geht man gemeinsam zum geschmückten Brautauto. Dabei rieseln Reis sowie rote oder grüne Bohnen über die Braut. Dies sollen dem Paar Glück bringen.
In einer Kollonne von Fahrzeugen fährt man nun zu den Eltern des Brätigams. Hier werden alle mit einem großen Feuerwerk begrüßt. Die zukünftige Schwiegertochter zeigt schon einmal ihre haufraulichen Fähigkeiten und serviert ihren Schwiegereltern sowie den anderen Verwandten Tee. Wer an dieser teezeremonie teilnimmt, gibt Schmuck oder aber ein hong bao als Dank an die Braut.
Anschließend fährt die Hochzeitsgesellschaft in ein Restaurant oder Hotel. Im Festraum wird die im westlichen weißen Hochzeitskleid ausgestattete Braut vom Vater zum wartenden Brätigam geführt. Dann werden in Anlehnung an westliche Bräuche häufig die Ringe getauscht.
War es in der cinesischen Tratition üblich knieend den respenkt vor Himmel und Erde und danach vor den Eltern zu bezeugen, so spricht die Braut einen Trinkspruch an die Gesellschaft aus. Oftmals muss die Braut dann mit jedem Gast Alkohol trinken bzw. eine Zigarette rauchen.
Spätestens dann wechselt sie ihr Kleid. Meist folgt ein traditionelles chinesisches Klein, das qipao.
Gäste dieser Feier geben dem Paar üblichewrweise ein hong bao mit 100-200 Yuan.
Wer jetzt glaubt, dass das Paar die Zeremonie überstanden hat, irrt gewaltig, denn es ist durchaus ein Höhepunkt der Feier das neue Paar trickreich zu "prüfen". Wird er sich zuverlässig um seine neue Frau kümmern? Passen Sie zusammen? Diese Fragen sollen mit vielen Fragespielen und dem sog. Apfelessen beantwortet werden. Zu diesem Apfelessen hängt man einen Apfel an eine Schnur. Auf Kommando müssen Braut und Bräutigam jeweils von der gegenüberliegenden Seite versuchen in den Apfel zu beißen. Es würde besser klappen, wenn nicht die wohlmeinenden Freunde immer den Apfel im ric
htigen Moment hochziehen würden ....

       
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Kirchliche Hochzeiten sind in China der letzte Schrei

Romantikboom bei Trauungen füllt die Kassen privater Agenturen
- Nobelkarossen und Showmaster eingeschlossen
Von Ulrike Putz


Die Hochzeit hat noch nicht angefangen, da ist Han Yes Lächeln schon wie festgefroren. Im weißen Kleid steht die 32-Jährige vor dem Festsaal eines Pekinger Edel-Hotels. Unsicher begrüßt sie ihre Hochzeitsgäste, von denen sie viele nicht kennt: Bräutigam Ge Xin musste der Sitte nach alle seine Vorgesetzten einladen.
Das also ist die Feier, auf die Ge Xin, der Hausverwalter, und Han Ye, die Sekretärin, monatelang gespart haben. Für den Höhepunkt einer jeden chinesischen Hochzeit mit modernem - will heißen: westlichem - Gesicht hat das Geld aber dann doch nicht gereicht. Der Wagenkonvoi aus BMWs war mit 50 Yuan (umgerechnet 1,50 Euro) pro Kilometer und Auto zu teuer. Glücklich ist Ge Xin trotzdem. "Immerhin haben wir den 9. März ohne Aufschlag bekommen", sagt der 36-Jährige. Denn 9 steht in China für Langlebigkeit und ist - auch das ein gutes Omen - durch die 3 des Monats teilbar; das kostet normalerweise mehr.
Für viele junge Chinesen ist die Hochzeit der wichtigste Tag im Leben, und den lassen sie sich einiges kosten. Rund 2800 Euro geben junge Paare durchschnittlich für ihre Hochzeit aus, 50-mal so viel wie noch vor 20 Jahren. Und das bei einem Normallohn von 170 Euro. Für die Hochzeitsagenturen ist der Romantikboom ein Riesengeschäft.
Auf dem Papier sind Ye und Xin seit einem Jahr verheiratet. Doch in China wartet man mit dem großen Fest. "Dann kennt man sich schon besser und hat mehr Spaß daran", sagt der Bräutigam. Außerdem hat man so Zeit zu sparen. "Und sich darauf zu freuen, die Braut zu küssen", sagt Ge Xin, vor aller Augen, wie es bei einer traditionellen chinesischen Hochzeit nie möglich wäre. Trauungen in Landestracht wollen heute fast nur noch Ausländer. Ihnen gefallen die Gongs, die Seidenkleider und die Sänften, die Chinesen altmodisch finden.

Fototermin im Park
Wer heute in China auf sich hält, bucht zur Hochzeit ein Bankett für mindestens hundert Personen, einen Showmaster für die Jawort-Zeremonie und eine Sektglas-Pyramide. Der letzte Schrei: Kirchen. Etwa drei Prozent aller Paare wagen den Bund fürs Leben in der für sie fremdartigen Umgebung, die Tendenz ist steigend. Auch Liu Ning, der als Berater bei der Pekinger Agentur "Purpurrotes Haus" rund 25 Paare pro Woche vermählt, wünscht sich für seine eigene Tochter eine Hochzeit vor dem Altar: "Das hat so etwas Exotisches."
Fast noch wichtiger als die Hochzeit selbst sind die zugehörigen Fotos. Die meisten Paare wollen das ganze Paket, inklusive Album, Wandbild und Schlüsselanhängern. Kostenpunkt: zwischen 1000 und 12 000 Yuan. Auf die stundenlangen Fotoaufnahmen haben sich Studios mit so poetischen Namen wie "Ba Li" (Paris) oder "Luowei" (Love) spezialisiert. Mit Schminke und in Fantasiekostümen werden die Liebenden in Szene gesetzt: sie ihn anhimmelnd, er sie beschützend.
Der Pomp um die Hochzeit ist in China keine reine Modeerscheinung. Wenn heute Statussymbole immer wichtiger werden, dann auch deshalb, weil die meisten Eltern der heutigen Brautleute während der Kulturrevolution nur eine Steppdecke mit in die Ehe brachten. Das Hochzeitsfest beschränkte sich damals auf das Abstempeln der Papiere. Viele Rentner heiraten deshalb heute noch einmal. Rund 65 "Gedächtnis-Zeremonien" organisiert Veranstalter Liu Ning jedes Jahr. Andere Seniorkunden wollen nur ein Hochzeitsfoto. Per Weichzeichner werden die 60-Jährigen dazu auf jugendlich getrimmt.
Inzwischen hat der Hochzeitstrend auch Pekings Amtsstuben erreicht. Gegen eine Extragebühr gibt es dort seit kurzem ganz amtlich kleine feierliche Zeremonien, bei denen die Liebenden zueinander "Shi" (Ja) sagen dürfen. Xu Meng und Liu Jianming aus Schanghai wollen den neuen Service bei ihrer Heirat im kommenden Jahr ausprobieren. "Das macht den Moment ein bisschen heilig, wie in den Filmen aus den USA", sagt die Braut.
 
Text: Copyright © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 04.04.2002

Die Braut trägt während der Hochzeitsfeier mehrerer verschiedene Kleider, wobei das letzte Kleid rot ist, der Farbe des Glücks.

Die Kleider sind oftmals ausgeliehen und gehen an den Verleih zurück.