Neue
Regulierungskommission übernimmt die Aufsicht über die Geldbranche
- Peking treibt Bankenreform voran
Von Markus Gärtner, Handelsblatt
Chinas neue Führung macht die Banken zum Topthema ihrer Reformpolitik.
Bis 2006 wird die Volksrepublik den Markt vollständig öffnen.
Noch beherrschen die vier großen Staatsbanken drei Viertel des Kreditgeschäfts.
Doch inländische Privatbanken und ausländische Institute werden
verstärkt zugelassen. PEKING. Erst im März wählt der chinesische
Volkskongress Wen Jiabao zumNachfolger von Premier Zhu Rongji. Doch schon
jetzt bastelt Wen an einer der weitreichendsten Reformen der vergangenen
20 Jahre. Dabei soll vor allem die Bankenreform forciert werden. Wen will
einige Ministerien zusammenlegen und neue Regulierungsbehörden schaffen.
Dazu gehört die China Banking Regulatory Commission, die dem Staatsrat,
Chinas Kabinett, direkt untersteht. Die neue Kommission soll die Aufsicht
über die Geldbranche übernehmen, damit die Notenbank sich wie
in den westlichen Ländern ganz auf das Zinsregime und die Geldversorgung
konzentrieren können. Die absehbare, aber noch nicht bestätigte
Wahl des auch im Westen bekannten Bank of China-Präsidenten Liu Mingkangan
an die Spitze der neuen Behörde unterstreicht die Bedeutung, die Chinas
Regierung dem Reformwerk beimisst.
Die Banken gelten mit Problemkrediten von bis zu 50 % des Portfolios als
Achillesverse des Reformwerks. Die Notenbank war immer in einem Dilemma,
das die Reformen bremste. Denn mahnt die staatlichen Geschäftsbanken
zu vorsichtigeren Ausleihungen, um das System zu stabilisieren, bremst so
aber die Kreditvergabe und das Wachstum, das China braucht, um soziale Unruhen
zu vermeiden. Chinas Banken ächzen unter einem Berg fauler Kredite,
den der Asien-Chef von Goldman Sachs in Peking, Fred Hu, auf 373 Mrd. Dollar
– rund 30% des BIP – schätzt. Standard & Poor’s
berechnet für die Aufräumarbeiten 20 Jahre, falls die Reformen
im aktuellen Tempo weiter gehen. Doch so viel Zeit hat China nicht. Bis
2006 wird die Volksrepublik den WTO-Zusagen folgen und den Bankenmarkt vollständig
öffnen. Trotz günstiger Bedingungen wie dem hohen BIP-Wachstum
von derzeit 8% könne man nicht darauf hoffen, dass Chinas Banken aus
ihrem Problem herauswachsen, meint Hu. Ma Guonan, Volkswirt bei der Bank
für Internationalen Zahlungsausgleich in Hongkong, stimmt zu: „Wenn
nicht schnell etwas zur fundamentalen Gesundung des Finanzsektors unternommen
wird, droht ein Desaster.“
An die Spitze der Notenbank rückt Zhou Xiaochuan auf, der bisherige
Chef der Börsenaufsicht. Zhou gilt als einer der besten Finanzexperten
Chinas und als aggressiver Reformer. Und die brauchen Chinas Banken, denen
Regierung und Notenbank schon zwei Mal – 1998 und 1999 – mit
insgesamt 200 Mrd. Dollar unter die Arme griffen. Zunächst mit einer
Kapitalspritze, dann mit der Gründung von Vermögensverwaltungsfirmen,
die aber deutlich weniger als 30 % der übernommenen Problemkredite
wieder herein holen. „Es ist unvermeidbar“, sagt Chen Xingdong,
Chefvolkswirt bei BNP Paribas für China, „dass ein zweites Mal
Problemkredite ausgegliedert werden.“ Denn sonst könnten die
Staatsbanken nicht mit den Reformen Schritt halten.
Chinas vier große Staatsbanken, die Bank of China (BOC), die Agricultural
Bank of China (ABC), China Construction Bank (CCB) sowie Industrial and
Commercial Bank (ICBC) beherrschen drei Viertel des Kreditgeschäftes
im Land. Doch sie haben zu viele Niederlassungen und Beschäftigte,
große Korruptionssorgen und wegen massiver politischer Einmischung
auch zu wenig Erfahrung mit der Beurteilung von Risiken. Daher werden regionale
Banken stärker gefördert und ausländische Banken vermehrt
zugelassen. Die Citibank ist dabei, 5 % der Shanghai Pudong Development
Bank zu erwerben. Die britische HSBC, die immer noch 40 % ihres Geschäftes
in Hongkong macht und zu den aggressivsten Auslandsbanken in China gehört,
erwarb in den vergangenen zwei Jahren 8 % an der Bank of Shanghai und 10
% am Versicherer Ping An.
Ende 2002 erhielt die Bausparkasse Schwäbisch Hall grünes Licht
für das erste chinesisch-ausländische BankenJoint Venture in der
Hafenstadt Tianjin. In Kürze sollen zehn Privatbanken in Guangdong,
Jiangsu, Zhejiang und Liaoning zugelassen werden. China hat bereits fünf
börsengehandelte Banken, darunter die recht erfolgreiche Minsheng Bank,
deren Problemkredite unter 3% und damit acht Mal niedriger sein sollen als
die der großen Staatsbanken. Die Minsheng Bank hat vier bis fünf
Mal so große Gewinnspannen wie ihre staatliche Konkurrenz. Die 1996
gegründete Bank mit 4000 Beschäftigten und 126 Zweigstellen will
in der ersten Hälfte 2004 Aktien in Hongkong und New York ausgeben.
Für die ersten neun Monate 2002 wies sie einen Nettogewinn von 660
Mill. Yuan, etwa 83 Mill Euro, aus.
Während Chinas Staatsbanken erst jetzt modernes Kreditmanagement und
interne Kontrollen organisieren und Kredite nicht mehr nur an Staatsfirmen,
sondern auch an die boomende Privatindustrie vergeben, zeigen sich bereits
erste Konflikte zwischen lokalen und ausländischen Banken. Sie lassen
ahnen, was nach der Öffnung des Marktes 2006 droht. Das Kreditkartengeschäft,
das erst 0,1 % zu den Erträgen beisteuert, beginnt zu explodieren.
Auch die Online-Geschäfte boomen. Die ICBC meldet für 2002 einen
Online-Umsatz von 602 Mrd. Dollar, ein Zuwachs von satten 780 %. Doch die
1,3 Mrd. Chinesen hatten 2002 erst 1,7 Mill. Online-Konten angemeldet. HANDELSBLATT,
Freitag, 10. Januar 2003, 07:02 Uhr
Wirtschaftswoche
v. 20.11.2002
Immobilienkrise droht
Chinas Banken zu sprengen
Kaum
dass die neue Führung der Kommunistischen Partei ernannt worden ist,
rückt Chinas Regierung mit den schlechten Nachrichten heraus: Dem
maroden Bankensystem drohen neue Belastungen in Milliardenhöhe. Peking
muss erneut in die Staatskasse greifen, um einen Kollaps der tief in den
roten Zahlen steckenden staatlichen Großbanken zu vermeiden.
PEKING.
Mit einer Kapitalspritze von 33 Mrd. $ hatte die Regierung den vier Staatsbanken
1998 erstmals unter die Arme gegriffen. Zur Finanzierung von vier so genannten
Asset Management Gesellschaften (AMC), die die faulen Kredite der Banken
aufnehmen und am Markt platzieren sollten, wurden 1999 mit staatlicher
Hilfe fast 170 Mrd. $ aus den Büchern der „vier Großen“
getilgt. Eine „letzte Unterstützung“, hieß es seinerzeit
aus dem Pekinger Finanzministerium. Am Wochenende aber musste Finanzminister
Xiang Huaicheng eingestehen, dass Peking wohl beträchtliche öffentliche
Mittel nachschießen muss, um den angeschlagenen Sektor zu stabilisieren.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ, schätzt
den Bestand der faulen Kredite auf 410 Mrd. $; Hongkonger Quellen zufolge
betragen sie sogar bis zu 500 Mrd. $. Den AMC ist es bislang nicht gelungen,
die faulen Kredite ausreichend am Markt unterzubringen. Die Staatsbanken
dürften daher ihren Zeitplan für den Börsengang, der für
2005 geplant war, nicht mehr einhalten können, meint Joan Zheng von
JP Morgan Chase. Die Bankenkrise könnte sich zu einem der ernstesten
Probleme für die chinesische Wirtschaft entwickeln und das Reformtempo
im Land gravierend beeinflussen. „Die Situation ist nicht mehr lange
durchzuhalten, wenn die wahren Probleme nicht angepackt werden“,
warnt Ma Guonan von der BIZ in Hongkong.
Die Probleme verschärfen sich sogar noch: 500 Staatsfirmen in der
westlichen Provinz Qinghai haben sich nach einem Bericht der „China
Business Post“ in die Insolvenz geflüchtet und können
ihre Kredite bei den Staatsbanken nicht mehr bedienen. Eine Untersuchungskommission
fand heraus, dass bis Ende 2001 von 906 Staatsfirmen, die bankrott angemeldet
oder sich in Aktiengesellschaften umgewandelt hatten, 524 auf diese Weise
Tilgung und Zinsen bei den Banken im Umgang von 5,16 Mrd. Rmb umgehen
wollten. Das sind immerhin 54,5 % aller Bankschulden dieser Unternehmen.
Und am gewaltigem Immobilienmarkt, der in vier Jahren aus dem Nichts zu
einem der drei wichtigsten Treibriemen der boomenden Konjunktur aufstieg,
droht eine noch gefährlichere Krise.
Die Investitionen des Immobiliensektors, den Peking mit dem Verkauf ehemals
staatlicher Wohnungen 1998 aus dem Dornröschenschlaf weckte, nahmen
von Januar bis September um 30 % zu. Die Preise in Ballungsgebieten wie
Peking und Shanghai schossen um bis zu 100 % in die Höhe. Obwohl
es seit Monaten deutliche Hinweise für eine Überhitzung gibt,
hat offenbar niemand auf die Bremse gedrückt. Denn alle Beteiligten
verdienen bestens an dem Goldrausch.
Schanghai hat den Immobiliensektor zu einer Schlüsselindustrie erkoren
und nahm über 10 Mrd. $ aus dem Verkauf von Land-Nutzungsrechten
ein. Chinas angeschlagene Banken haben darin ein lukratives neues Geschäftsfeld
entdeckt. Hypothekenkredite an private Kunden sind seit Ende 1999 bei
den führenden chinesischen Banken um 388 % in die Höhe geschossen.
In den Augen der Zentralregierung liest der Boomsektor Zehntausende gestrandeter
Arbeiter aus maroden Staatsfirmen auf und trägt 30 % zum BIP-Wachstum
des Landes bei. Doch jetzt wird es selbst der Regierung mulmig. Ministerpräsident
Zhu Rongji warnte, er sehe „Zeichen für ein Überangebot
in einigen Städten“ und würde lieber nicht 8 % Wachstum
in diesem Jahr erreichen, um die Immobilienblase zu entschärfen.
„Schnell steigende Preise und wachsende Leerstandsraten haben die
Risiken in dem Sektor erhöht“, heißt es im geldpolitischen
Bericht der Notenbank für das 3. Quartal. Die Leerstände sind
nach offiziellen Zahlen auf über 14 %, in Peking sogar auf 26 % gestiegen,
schreibt die lokale „China Business News“. „Die Regierungszahlen
zeigen, dass es zu viele Investitionen und eine Überhitzung in dem
Markt gibt“, sagt George Leung Siu-kay, Chefökonom der HSBC
für Greater China.
Für die Banken besteht eine signifikante Gefahr, sagen Experten.
„Das Engagement der Banken bei den Bauentwicklern ist ein beachtliches
Risiko“, schrieb im August Morgan Stanley in Hongkong in einer Analyse
mit dem Titel „Platzt die Immobilienblase ?“
Chinas Banken sehen die Entwicklung mit Sorge. Sie haben in den letzten
Monaten – um Marktanteile zu gewinnen – oft die Vorgabe der
Notenbank ignoriert, höchstens 80 % des Immobilienwertes zu beleihen.
Doch eine Korrektur der Immobilienpreise um nur 25% , sagt der Volkswirt
Yang Jianwen bei der Akademie der Sozialwissenschaften in Schanghai, würde
die faulen Kredite der Banken um drei Prozentpunkte erhöhen. Das
wäre ein Anstieg der offiziell eingestandenen faulen Kredite um 15
%. Kein Wunder, dass Morgan Stanley eindringlich warnt, „Chinas
Banken müssen ihre Kredit-Konditionen so schnell wie möglich
verschärfen.“
Von Markus Gärtner, Christoph Rabe
19.11.2002 08:12:03
manager-magazin
vom 2.4.2002
Marode Geldhäuser
Von Wolfgang Hirn
Ausländische
Kreditinstitute steigen nur zögernd ein. Die Chinesen sind sparsam.
Ihre Sparquote beträgt rund 40 Prozent. Aber wo liegt das Geld? Meist
unterm Kopfkissen. Sie trauen ihren Kreditinstituten nicht, denn das chinesische
Bankensystem gilt als marode. Vier riesige Staatsbanken - Bank of China,
China Construction Bank, Agricultural Bank of China sowie die Industrial
and Commercial Bank of China - dominieren derzeit den Markt.
Die "großen
Vier" (Marktanteil bei Krediten: rund 70 Prozent) belastet allerdings
ein hoher Berg von faulen Krediten, die sie bis vor ein paar Jahren auf
Befehl von Bürokraten und Politikern an Staatsunternehmen geben mussten.
Außerdem sind sie völlig überbesetzt und ineffizient.
Die Bank of China zum Beispiel beschäftigt rund 500.000 Angestellte
in über 12.000 Filialen.
Gerät die Schwäche der chinesischen Institute zur Chance für
ausländische Banken?
Zwei Jahre nach dem WTO-Beitritt dürfen ausländische Finanzdienstleister
mit chinesischen Firmen Geschäfte in Landeswährung machen, fünf
Jahre danach auch mit chinesischen Privatpersonen. Aber die ausländischen
Wettbewerber wollen offenbar gar nicht. Die meisten chinesischen Unternehmen
sind ihnen zu undurchsichtig, und an der Masse der Privatkundschaft haben
sie kein strategisches Interesse.
Hans Schniewind,
Leiter des Dresdner-Bank-Büros in Schanghai, sagt: "Das Retail-Business
ist zurzeit keine Option für uns." Auch Dieter Hierner von der
Deutschen Bank in Peking wiegelt ab: "Wir müssten ein riesiges
Filialnetz aufbauen." Es gäbe 150 Städte mit mehr als einer
Million Einwohnern. Hierner: "Da können wir doch nicht überall
hin."
Schon eher
können sich Beobachter der Bankenszene eine ausländische Beteiligung
an einer chinesischen Bank vorstellen. "Diese strategische Option
wird zunehmend interessanter", sagt Andreas Lauffs von der Kanzlei
Baker & McKenzie in Hongkong.
Vor allem die Beteiligung an Banken unterhalb "der großen Vier"
wäre reizvoll. Da gibt es einige gute, erst in den vergangenen Jahren
entstandene Institute ohne Altlasten und mit tauglichem Management.
Die Bank of Communications zum Beispiel. Immer wieder tauchen Gerüchte
über potenzielle Einstiegskandidaten auf, darunter auch die Deutsche
Bank. Sie dementiert brav: "Was sollen wir mit einer Minderheitsbeteiligung?"
Ein anderes
deutsches Institut ist aggressiver: die Bausparkasse Schwäbisch Hall,
die seit vier Jahren versucht, auf den chinesischen Markt zu kommen. Der
damalige Botschafter Konrad Seitz unterstützte die deutschen Manager
und schrieb an Premier Zhu Rongji einen Brief, in dem er die in China
unbekannte Bausparidee pries. Nach vielen Gesprächen kapierten die
Genossen: Das Bausparen könnte dem Volk zu mehr Wohnungen verhelfen.
Im Frühjahr 2001 unterschrieb Schwäbisch Hall einen Joint-Venture-Vertrag
mit der China Construction Bank. Die beiden Partner wollen in der Zehn-Millionen-Stadt
Tianjin - zwei Autostunden östlich von Peking - Bausparpolicen verkaufen.
Jetzt fehlt "nur" noch die Genehmigung von der Zentralbank aus
Peking. Die stille Hoffnung in Schwäbisch Hall: Das Okay der Aufsichtsbehörde
könnte irgendwann tatsächlich kommen.
www.news.ch
vom 1. April 2002 / 08:52:04
China nimmt Euro-Handel
auf
Schanghai
- China hat am Montag den Devisenhandel mit Euro aufgenommen. Nach Händlerangaben
setzte der chinesische Yuan mit 7,2160 Yuan gegenüber der europäischen
Gemeinschaftswährung ein.
Händler sagten, der Kurs orientiere sich am Euro/Dollar-Verhältnis.
Der Dollar begann in Schanghai mit Kursen von 8,2773 Yuan. Nach dem Beitritt
Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) rechnet dass Land mit einem erhöhten
Warenaustausch mit der Europäischen Union.
Neue Zürcher
Zeitung v. 12. März 2002
Rasche Ausweitung
der Geldmenge in China
- Keine Pläne der Notenbank für den Yuan
China will nach
Aussage des Chefs der Zentralbank, Dai Xianglong, auch in diesem Jahr die
Geldmenge stark ausweiten und damit das rasche Wachstum der Wirtschaft sichern.
Wie Dai am Montag an einer Pressekonferenz sagte, ist sowohl für M1
als auch für M2 ein Wachstum von 13% vorgesehen. Die zusätzlichen
Mittel sollen zudem diverse Reformen erleichtern, so die weitere Liberalisierung
der Zinspolitik, die Diversifikation des Eigentums an den Grossbanken sowie
die Beendigung der Vergabe von «bad loans», faulen Krediten,
an marode Staatsbetriebe. Keiner dieser Vorsätze ist neu; sie alle
wurden in der Vergangenheit schon mehrfach angekündigt und dann - primär
aus Angst vor den sozialen Konsequenzen der Reformen - doch nicht umgesetzt.
Angst vor einer Inflation braucht China auch bei einer glühend heissen
Notenpresse nicht zu haben: Noch kennt man in der gigantischen Staatsindustrie
das Wort Wettbewerb kaum. Die Überproduktion ist allgegenwärtig
und drückt, sehr zum Leidwesen der Regierung, auf Preise, Löhne
und Investitionsbereitschaft.
Wachstumsoptimismus
Wie der Chef der Notenbank am Montag weiter sagte, ist die Regierung überzeugt,
dass sich die Wachstumsprognose von 7% für das laufende Jahr durch
eine stabile Geldpolitik und weitere Zinskürzungen bewahrheiten dürfte.
Im vergangenen Jahr sind nach offiziellen Angaben 7,3% Wachstum erreicht
worden; internationale Beobachter ziehen von diesem Wert in der Regel 1%
bis 2% ab. Auch an der Politik der Defizit-Finanzierung will man festhalten.
In den letzten fünf Jahren hat die Regierung jeweils spezielle Staatsanleihen
in Höhe von rund 150 Mrd. Yuan (knapp 30 Mrd. Fr.) ausgegeben, um der
schwächlichen Konjunktur Schwung zu geben. Der Wechselkurs der chinesischen
Währung, des Yuan, soll laut Dai stabil bleiben; davon profitierten
China und ganz Asien. Er sehe keine Abwertung am Horizont, sagte Dai, aber
auch eine massive Aufwertung werde es nicht geben. Trotz seiner Stabilität
sei der Yuan «noch nicht reif» für die volle Konvertibilität,
ergänzte Dai. Wissenschafter hätten zwar in den letzten Wochen
dazu geraten, diesen Prozess zu beschleunigen, doch China sei vorsichtig
und wolle die schlechten Erfahrungen anderer Länder berücksichtigen.
Derzeit ist der Yuan nur für operative Geschäfte konvertibel.
Geschäfte statt Politik?
Im Rahmen der schrittweisen Öffnung des Finanzsektors, zu der sich
China beim Beitritt zur WTO verpflichtet hat, will Peking zwei taiwanischen
Banken erlauben, Büros auf dem Festland zu eröffnen. Laut Dai
darf die United World Chinese Commercial Bank ihre Vertreter nach Schanghai
schicken; die Changhwa Bank darf sich im nahe gelegenen Kunshan niederlassen.
Diese Ankündigung ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Peking derzeit
den ideologisch-politischen Streit mit Taipeh etwas in den Hintergrund drängen
und das Feld ganz dem Geschäft überlassen will. Vor Jahresfrist
hatte man Taiwan für den Fall, dass die Demokratische Partei die Wahlen
gewinne, noch mit Krieg gedroht. Taiwans Wirtschaft hat seit Beginn der
langsamen Annäherung in den späten achtziger Jahren mindestens
60 Mrd. $ (rund 100 Mrd. Fr.) in China investiert. |